Jetzt verdient der deutsche Staat sogar schon an seinen Schulden - erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik sind Investoren bereit, für deutsche Staatsanleihen eine Prämie zu zahlen, statt Zinsen für ihre Anlage zu kassieren: Sie kauften Anleihen mit sechsmonatiger Laufzeit zu einem negativen Zinssatz von minus 0,0122 Prozent, meldete die Bundesbank. Zugleich müssen die Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien Rekordzinsen zahlen, um überhaupt noch Geldgeber zu finden. Sicherheitsorientierte Anleger wissen in dieser Gemengelage kaum noch, wohin mit ihrem Geld.
Sicherheit ist teuer geworden, seit die Staatsschuldenkrise den Glauben an die Zahlungsfähigkeit der Staaten erschüttert hat - und damit auch die beliebte Anlageklasse der Staatsanleihen. "Niemand hätte vor der Krise bezweifelt, dass man sein Geld wiederbekommt, wenn man es in Staatsanleihen anlegt", sagt Bernd Hashemian, Fondsmanager und Vorstand der Kroos Vermögensverwaltung. Staatsanleihen galten als einfache, leicht verständliche Anlagekategorie: hohe Sicherheit, niedrige Renditen. Doch die simple Faustformel gilt nicht mehr. Sichere Staatsanleihen bringen fast keine Rendite mehr. "Und nach wie vor ist die Frage offen: Was passiert denn nun eigentlich mit dem Geld der Anleihegläubiger, wenn ein Staat tatsächlich insolvent ist? Und welche Auswirkungen wird eine Staatspleite auf die Zahlungsfähigkeit der als sicher geltenden Länder haben?", sagt Hashemian.
Manchem Anleger erscheinen daher mittlerweile Unternehmensanleihen als die bessere Alternative: Neben Bonds großer Konzerne rücken auch Mittelstandsanleihen in den Fokus der Anleger. "Bekannte Namen und das solide Image des deutschen Mittelstands sprechen Anleger auf der Suche nach sicheren Anlagen an", sagt Hashemian. Das Geschäftsmodell der Mittelständler scheint überschaubarer als das multinationaler Konzerne, und über die Höhe der Kupons lässt sich vermeintlich einschätzen, wie riskant die Anleihen sind. "Viele Anleger verlassen sich jetzt lieber auf ihr Bauchgefühl und logischen Menschenverstand als auf Ratings, um Ausfallrisiken zu bewerten", sagt der Fondsmanager. "Doch das Bauchgefühl kann auch trügen - Mittelstandsanleihen sind keine einfache Anlageklasse. Die Anleihen sind letzten Endes Risikoinvestments, die nur als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio taugen."
Genau hinschauen
Anleger müssen genau hinschauen, um die Risiken der Anleihen zu erkennen und zu bewerten. Während über die Bonität von Staaten und die ihrer Anleihen Ratingnoten der großen Ratingagenturen Auskunft geben, sind viele Mittelstandsanleihen gar nicht geratet - und wenn doch, dann beurteilen meist kleinere, regionale Agenturen wie Creditreform oder
Euler Hermes die Kreditwürdigkeit.
Deren Ratingnoten sind allerdings nur bedingt mit denen der internationalen Agenturen wie Standard & Poor's oder
Moody's vergleichbar. Denn die Ratings der amerikanischen Agenturen stellen immer auch ein Ranking innerhalb einer internationalen Vergleichsgruppe dar, sagt Creditreform-Vorstand Michael Munsch: "Unsere Mittelstandsratings konzentrieren sich hingegen auf die Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit. Sie stellen kein Ranking dar." Man könne Mittelständler nicht sinnvoll mit multinationalen Großkonzernen vergleichen, stellt Munsch klar. Die Mittelständler, die ihre Anleihen raten lassen, würden einen solchen Vergleich auch ablehnen: "Sie wollen eine faire Bewertung ihres Unternehmens. Es hat schließlich nicht unbedingt etwas mit Größe zu tun, ob ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten bedienen kann."































