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01.11.2011
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Broker an der New York Stock Exchange
Broker an der New York Stock Exchange
Foto: reuters
Investor-Artikel

Mini-Lehman

Wie MF Global in die Pleite rutschte

von Frank Bremser

Es war wahrscheinlich der Eigenhandel, der MF Global das Genick brach. Für die großen Wall-Street-Banken kommt die Insolvenz zur Unzeit, denn sie versuchen gerade, zu starke Beschränkungen in diesem Geschäft zu verhindern.

Durch die Pleite von MF Global sind bei vielen Marktteilnehmern die Themen Regulierung und Transparenz wieder ganz nach oben auf die Tagesordnung gerutscht. So sagt etwa ein australischer Händler, dass sich nun viele Häuser aus dem unregulierten außerbörslichen Handel (Over-the-counter, OTC) zurückziehen könnten. "Wer ein OTC-Abkommen mit MF Global hat, das nicht über ein Clearinghaus abgewickelt wird, der könnte ein großes Problem haben. Aber wir wissen noch nicht, wer das ist", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Broker. Ein Clearinghaus ist eine börsliche Institution, die die Wertpapierabwicklung sicherstellt.

Mit der Insolvenz von MF rückt damit wieder verstärkt der Derivatemarkt in den Blick der Öffentlichkeit. In amerikanischen Medien wird inzwischen von einem "Mini-Lehman" gesprochen. Auch bei Lehman waren große Derivatepositionen im Spiel, ein Großteil davon ebenfalls außerbörslich gehandelt.

Damit ist die Pleite des Brokers Wasser auf den Mühlen derjenigen, die eine schärfere Regulierung der Derivatemärkte fordern. Sie stärkt aber auch die Position derjenigen, die eine stärke Kontrolle der Banken und deren Eigenhandel verlangen. Denn es ist vor allem die 6,3- Mrd.-Dollar Wette mit eigenem Geld auf europäische Staatsschulden, die für den Untergang von MF Global sorgten. Marktbeobachtern zufolge steht hinter dieser Wette letztlich Jon Corzine, der sein Haus zu einem zweiten Goldman-Sachs ausbauen wollte - und zwar zu dem Goldman Sachs, das die Bank war, bevor es durch die Finanzmarktkrise zurecht gestutzt wurde.

Bloomberg zufolge schreibt Richard Bove, Analyst bei Rochdale Securities in einer Analyse: "Die Aktivitäten von Mr. Corzine bei MF Global sind genau das, wovor uns die Befürworter der Volcker-Rule schützen wollen." Unter der Volcker-Rule versteht man den Ansatz, den Banken den Eigenhandel weitestgehend zu verbieten.

Die genaue Ausformulierung dieser Regel als Gesetz ist jedoch noch nicht abgeschlossen, so geht es etwa um die Bedeutung von Absicherungsgeschäften, Geschäfte im Kundenauftrag oder Marktpflege. Bislang hatten die Lobbyisten der Wall-Street-Banken gehofft, die Formulierung im Gesetz möglichst weich werden zu lassen, also letztlich möglichst viel Eigenhandel zuzulassen. Diese Hoffnung dürfte nun deutlich kleiner geworden sein.

So sagt etwa Carl Levin, ein demokratischer Senator, der für eine stärkere Bankenregulierung ist: "Die Volcker-Rule muss schnell und umfassend eingeführt werden, um sicherzustellen, dass Banken nicht mehr das Geld der Steuerzahler in Gefahr bringen können, indem sie so einen Eigenhandel betreiben wie MF Global." Levin bezieht sich dabei darauf, dass Banken mit Steuergeldern gerettet werden, wenn sei sich verspekuliert haben.

Eine Besonderheit am Fall MF Global ist jedoch, dass das Haus selbst nicht unter die Volcker-Rule fallen würde. Denn bislang soll die Reglung nur für Häuser gelten, die auch eine Geschäftsbank sind. MF Global ist jedoch ein reiner Händler. Nichtsdestotrotz sehen die Volcker-Rule-Befürworter die Pleite von MF Global als Beispiel dafür an, welche Gefahren der Eigenhandel mit sich bringen kann.


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