Von einem Konjunkturloch kann Hans Cornehl, Vorstandschef von
Tipp24, derzeit sicher nicht sprechen. Im Gegenteil: Für ihn läuft es dieses Jahr nahezu optimal. Das Pech der Lottospieler ist sein Glück. Nur ganz wenige Male musste er im laufenden Jahr bislang tief in die Tasche greifen und einen hohen Pot ausbezahlen. Zum Halbjahr verfünffachte der Onlinewettanbieter seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 33,5 Mio. Euro. Mit einer Ebit-Marge von 47,8 Prozent zählen die Hamburger zu den profitabelsten deutschen Unternehmen aus der DAX-Familie. Für das Gesamtjahr wird der Konzern aller Voraussicht nach die Prognosen toppen - falls nicht unerwartet häufig Glücksspieler die richtigen Zahlen tippen. Selbst wenn die Konjunktur nicht mehr richtig in Fahrt kommt und die Leute ihr Geld horten - beim Lotto sparen sie nicht, auch wenn die Chance auf sechs Richtige minimal ist.
Was viele Firmen schmerzt, nehmen andere gelassen auf. Sendet etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gilt, negative Signale, trifft das zyklische Branchen wie die Autoindustrie, die Chemiebranche oder das Halbleitersegment hart. Die Erwartungen werden in der Regel sechs bis neun Monate vorweggenommen. Entsprechend schwach tendieren die Kurse der Unternehmen, die sich in diesen Branchen tummeln. Abseits der Zykliker läuft es dagegen gut. Diese Firmen bieten Dinge an, auf die Konsumenten in einer Krise nicht verzichten wollen.
Capital.de hat einige Krisengewinner herausgepickt: Tipp24 etwa notiert nahe des Rekordhochs und dürfte sowohl von der geringen Marktabhängigkeit als auch von einer Lockerung der Gesetzgebung profitieren: Ab dem kommenden Jahr dürfen wieder private Lottovermittler Spielscheine staatlicher Lotterien an Privatpersonen verkaufen. Bis jetzt muss Tipp24 über die britische, voll konsolidierte Minderheitsbeteiligung My-Lotto24 ihre Scheine anbieten.
Das ändert sich: Das Bundesland Schleswig-Holstein will künftig nicht mehr über das Europarecht hinweg entscheiden. Bereits im September 2010 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass das Wettmonopol in Deutschland verfassungswidrig ist. Jetzt zieht der Kieler Landtag nach und erlaubt Privatunternehmen, Tippscheine zu vermitteln. "Die scheinheilige Fiktion einer Lottosucht zur Ausgrenzung privater Anbieter wurde hiermit endlich beerdigt", sagt Tipp24-Chef Cornehl. Ab 2012 will das Unternehmen in Deutschland wieder Lottoscheine vermitteln. Aufgrund hoher Werbeaufwendungen könnte das zwar erst einmal höhere Anfangskosten verursachen und auf die Marge drücken. Mittelfristig sollte das dem Titel allerdings noch einmal einen Schub verleihen.






















