Vielen Investoren scheint der Aktienmarkt wegen der Konjunkturrisiken derzeit zu unsicher. Ganz ohne Risiken kommen sie aber nicht aus, wenn sie mehr als die mageren Erträge am Rentenmarkt haben wollen. Also greifen sie beherzt zu Unternehmensanleihen mit einem Rating unterhalb von "Investmentgrade". Seit Jahresanfang wurden weltweit rund 170 Mrd. Dollar (132 Mrd. Euro) Anleihen minderer Bonität platziert.
Dass die Nachfrage nach den Ramschanleihen so groß ist, verwundert nicht. Staatsanleihen werfen nur geringe Renditen ab - bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen beträgt sie nur knapp 2,4 Prozent. Ramschanleihen sind deutlich rentabler. Laut Axel Potthof, Fondsmanager bei Allianz Global Investors (AGI), liegt der Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen bei vier bis 4,5 Prozentpunkten - und damit über dem historischen Durchschnitt.
Doch Ramsch ist nicht gleich Ramsch. Als bessere Schuldner gelten vor allem die Konzerne, die erst seit Kurzem zu der Kategorie gehören - oder kurz davorstehen. Von den sogenannten Fallen Angels gibt es mehr denn je: Wegen der Konjunkturschwäche sind viele Unternehmen in den Ramschstatus gerutscht, andere stehen auf der Kippe. Die
Lufthansa etwa wird von der Ratingagentur Moody's bereits als Ramsch bewertet, bei S&P ist sie noch besser eingestuft. Beim französischen Zementhersteller
Lafarge und bei
ThyssenKrupp sieht es ähnlich aus. Die Autobauer
Renault und
Peugeot sind schon Ramsch, wenn auch erst seit Kurzem. Deutsche Firmen wie
Continental,
Heidelberg Cement und
Fresenius gehören ebenfalls dazu.
Alles bekannte Unternehmen, bei denen eine Pleite kaum vorstellbar ist. Doch ein großer Name allein schützt nicht davor. "Das statistische Ausfallrisiko der Fallen Angels ist im ersten Jahr nach Herabstufung aufgrund einer Verschlechterung der Konditionen deutlich höher als das Risiko ständig dort bewerteter Unternehmen", sagt Peter Schuld, Manager eines Deka-Fonds für Hochzinsanleihen. Potthof von AGI achtet deshalb vor allem auf die Ertragskraft. Sie sei das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Unternehmens aus dem Ramschbereich. "Die Kontinuität der Geschäftsentwicklung ist ebenfalls ein entscheidender Faktor", so der Fondsmanager.
Im Ramsch die Perlen zu finden ist nicht leicht. Neben der Ertragskraft, der Finanzausstattung und den Branchenrisiken gilt es auch, auf die Struktur der Schuldpapiere zu achten. "Je mehr Klauseln in der Dokumentation dem Anleger Sicherheit geben sollen, desto intensiver sollte man sich das Investment auch anschauen", rät Markus Steilen von der
Commerzbank. Was sich paradox anhört, ergibt durchaus Sinn. Denn ein Konzern muss meist dann mit komplizierten Kreditklauseln um das Vertrauen der Investoren werben, wenn er in einer schwierigen Situation steckt - also etwa chronisch überschuldet ist. Dann besteht ein hohes Risiko weiterer Abwertungen, was mit Kursverlusten verbunden wäre.
































