Herr Rasche, die Beinahepleite des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) liegt jetzt ein gutes Jahr zurück. Die HRE war damals der weltweit zweitgrößte Emittent von Pfandbriefen. Würde es heute für diese mit Krediten besicherten Bankanleihen überhaupt noch einen Markt geben, wenn der deutsche Staat die Bank 2008 nicht vor dem Zusammenbruch bewahrt hätte?
Das ist eine spekulative Frage, der Fall ist ja nicht eingetreten. Ich bin mir jedoch sicher: Der Pfandbrief hätte auch einen Zusammenbruch der HRE ohne existenzielle Blessuren überstanden. Natürlich wäre das der bisher härteste Test in der Geschichte des deutschen Pfandbriefs gewesen, schließlich ist es ja in mehr als 200 Jahren noch nie zum Ausfall einer Emittentin gekommen. Aber die zahlreichen Sicherungsmechanismen, die das deutsche Recht speziell für Pfandbriefe vorsieht, sind absolut verlässlich. Kein Anleger hätte Geld verloren.
Als Chef des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken sind Sie zu einer so positiven Sicht verpflichtet. Aber hat nicht zumindest das Image des Pfandbriefs durch die Krise gelitten?
Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil: Der Pfandbrief hat sich einmal mehr als krisenfest erwiesen. Er gilt weiterhin als ähnlich ausfallsicher wie Staatsanleihen und wird deshalb heute wie vor der Krise von den Investoren hoch geschätzt. Ich gebe allerdings zu: Ende des vergangenen Jahres waren auch unsere Mitgliedsinstitute zeitweise besorgt, dass die Investoren in Zukunft weniger auf Pfandbriefe setzen würden. Doch schon im Februar 2009 ist die Nachfrage nach den Papieren wieder gestiegen. Dieser positive Trend hält an, und die Stimmung hat sich nachhaltig aufgehellt.
Trotzdem stützt die Europäische Zentralbank (EZB) den Markt für gedeckte Bankanleihen mit einem 60 Milliarden Euro schweren Aufkaufprogramm. Ist das überhaupt nötig?
Die Käufe der EZB haben dem europäischen Markt für die sogenannten Covered Bonds insgesamt geholfen, und dafür sind wir sehr dankbar. Die Risikoaufschläge gingen deutlich zurück und das Neuemissionsvolumen stieg wieder an. Aber es handelt sich keineswegs ausschließlich um ein Hilfsprogramm für den deutschen Pfandbrief. Einige Teilmärkte Europas, wie etwa Spanien oder Irland, benötigten diese Unterstützung dringender als wir.
Der Sekundärmarkt, also der Handel mit bereits emittierten Covered Bonds, liegt aber noch weitgehend brach.
Henning Rasche
Seit 2005 ist er Präsident des Verbands deutscher Pfandbriefbanken. Er gilt als Entwickler des Jumbo-Pfandbriefs mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro.
Auch am Sekundärmarkt hat das Programm der EZB zu einer spürbaren Belebung beigetragen. Von "brach liegen" kann längst keine Rede mehr sein. Richtig ist aber, dass wir auch noch ein Stück von einer vollständigen Normalisierung entfernt sind. Das liegt zum Teil daran, dass die Banken nicht mehr in dem Maße An- und Verkaufskurse stellen wie es früher der Fall war. Viele Banken können oder wollen diese Rolle als Market Maker wegen der notwendigen Unterlegung mit Eigenkapital nicht mehr erfüllen. Das Fehlen dieser Art von Kurspflege macht den Markt intransparent und reißt die Spanne zwischen Geld- und Briefkursen auseinander.
Wie wollen Sie den Handel wieder beleben?
Eine Überlegung, die wir mit den Investmenthäusern diskutieren, ist ein elektronisches Handelssystem, mit dem Investoren bei mehreren Banken Preisangebote einholen und sich für ein Angebot entscheiden. Am Ende des Tages soll daraus eine Kursinformation gezogen und veröffentlicht werden. Ich hoffe darauf, dass diese höhere Transparenz den Markt für Investoren attraktiver macht und somit zu einer weiter steigenden Liquidität führt.
















