Traurig hängen die gelben Postbank-Fahnen neben dem Eingang der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Als ahnten sie, dass die Hauptversammlung eine der letzten der größten deutschen Privatkundenbank gewesen sein könnte. Im kommenden Jahr kann der Mehrheitseigner Deutsche Bank zu seinen derzeit knapp 52 Prozent weitere 39,5 Prozent von der Post übernehmen - und endgültig bei dem Bonner Geldhaus durchregieren. Überschreitet die Deutsche Bank irgendwann die 95-Prozent-Schwelle, könnte sie sogar die restlichen Aktionäre aus der Postbank drängen.
An der Sicherheitskontrolle trauert eine ältere Dame den alten Zeiten schon hinterher. "Wir sind hier doch noch nicht bei der Deutschen Bank", schimpft sie, weil ihr die Untersuchung ihrer Handtasche durch das Sicherheitspersonal zu gründlich ist.
Dass dieser Eindruck täuscht, stellt Postbankchef Stefan Jütte gleich zu Beginn seiner Rede klar: "Mit der Deutschen Bank sind wir Teil eines der größten, stabilsten und renommiertesten Finanzkonzerne der Welt." 29 breite, gelbe Pulte füllen den Bühnenraum neben ihm aus, dahinter die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat plus Notare. Vor ihm: Leere. Nur versprengte Kleinaktionäre der Postbank sitzen in den Reihen.
Nur einer wagt den Angriff
Befanden sich Ende 2009 noch etwa 36 Prozent der Aktien im Streubesitz, sind es heute nur noch 8,5 Prozent. Die Deutsche Bank hatte den Aktionären im Herbst 2010 ein freiwilliges Übernahmeangebot gemacht - die meisten nahmen an. 92 Prozent des Aktienkapitals seien anwesend, verkündet Aufsichtsratschef Rainer Neske, der auch Privatkundenvorstand der Deutschen Bank ist.
Neben den Großaktionären Deutsche Bank und Post haben sich nur wenige Kleinanleger hergewagt: Gerade mal ein halbes Prozent der Stimmrechte machen sie aus. Immerhin: Sechs von ihnen haben was zu sagen. "Liebe zurückgebliebene Postbank-Gemeinde", eröffnet einer der Aktionäre seine Rede und kritisiert die Machtverhältnisse: "Wenn wir heute über etwas abstimmen, machen Sie das doch fast allein, Herr Neske!"
Vorstandsvergütung, Übernahme durch die Deutsche Bank, zu geringes Angebot an die Aktionäre, Frauenquote - der Ärger der Redner ist groß, in ihrer Wortwahl bleiben sie aber gemäßigt. Nur einer wagt den Angriff: Der Gewinn von 302 Mio. Euro solle nicht wie geplant in die Kapitalausstattung der Postbank fließen, sondern ausgeschüttet werden. "Als Kleinaktionär steht es mir zu, das zu fordern", sagt er. "Aber ich weiß auch, dass Sie und wir hier alle nur noch Marionetten des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Herrn Ackermann, sind", setzt der Herr nach. Beifall? Nein, nicht mal das.
Dauerten Hauptversammlungen früher bis in den Abend, ist dieses Mal um 14.15 Uhr alles vorbei. Alle Anträge werden gebilligt - mit je mehr als 99 Prozent der anwesenden Stimmen.
Quelle: ftd
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