26.07.2010
Das Investmentbanking steuerte im ersten Quartal mehr als 90 Prozent zum Vorsteuerergebnis bei
Das Investmentbanking steuerte im ersten Quartal mehr als 90 Prozent zum Vorsteuerergebnis bei
Foto: ddp

Gewinnbringer Investmentbanking

Kapitalmarktflaute offenbart Schwäche der Deutschen Bank

von Christine Mai

Schonungsloser als jeder Stresstest dürften es die Ergebnisse für das zweite Quartal zeigen: Deutschlands größtes Institut hängt am Investmentbanking. Investoren und Analysten rechnen mit einem Gewinnrückgang.

Die Abhängigkeit vom Investmentbanking dürfte die Deutsche Bank im zweiten Quartal getroffen haben. Investoren und Analysten erwarten, dass Deutschlands größtes Institut am Dienstag einen Gewinnrückgang vermelden wird - wie ähnlich kapitalmarktfokussierte Geldhäuser zuvor. Grund sind die Turbulenzen an den Kapitalmärkten im Mai und Juni.

Die Aufmerksamkeit lenkt sich daher darauf, wie die Bank ihre Aussichten einschätzt. "Das zweite Quartal war schwierig für die Investmentbanken. Die große Frage ist, was sie zum Ausblick und zur Handelsaktivität im Juli sagen werden", schrieb Dirk Hoffman-Becking, Analyst bei Sanford C. Bernstein, jüngst in einer Notiz.

Manager wie der für das Tagesgeschäft verantwortliche Vorstand der Schweizer Bank Credit Suisse, David Mathers, hatten sich zuletzt skeptisch geäußert. "Man kann schon sagen, dass die Marktbedingungen im dritten Quartal denen im zweiten bis jetzt nicht unähnlich sind", sagte Mathers vergangene Woche.

Deutsche Bank
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Vom Datendienstleister Bloomberg befragte Analysten rechnen bei der Deutschen Bank im Durchschnitt mit einem Nettoergebnis von 1,05 Milliarden Euro. Im ersten Vierteljahr hatte das Institut noch einen Reingewinn von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, vor Jahresfrist fiel unter dem Strich ein Plus von 1,07 Milliarden Euro an.

Das Geldhaus ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen und hatte in den vergangenen Quartalen vom Boom an den Kapitalmärkten profitiert. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Das Papier hat in diesem Jahr weniger als ein Prozent verloren - während der Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index, der 54 Titel abbildet, knapp vier Prozent einbüßte.

Sorgen um ein Zurückrutschen in die Rezession und die Schuldenkrise in Europa haben Anleger allerdings in den vergangenen Monaten enorm verunsichert. Auf den Kapitalmarkt ausgerichtete Geldhäuser bekommen dies in Form von niedrigeren Einnahmen etwa aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen zu spüren. Konkurrenten wie Goldman Sachs und Credit Suisse haben daher für das zweite Vierteljahr bereits deutliche Gewinneinbußen vermeldet.

Die Deutsche Bank dürfte die Entwicklung besonders hart getroffen haben. Das Investmentbanking steuerte im ersten Quartal mehr als 90 Prozent zum Vorsteuerergebnis bei. Bankchef Josef Ackermann hat zwar als Ziel ausgegeben, die Abhängigkeit des Instituts von dem sehr schwankungsanfälligen Segment zu verringern. So hat das Geldhaus etwa die Privatbank Sal. Oppenheim erworben, um das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden zu stärken und ist mit der Option auf eine Übernahme bei der im Massengeschäft starken Postbank eingestiegen. In den vergangenen Quartalen schwächelten diese als stabil geltenden Sparten aber.

Selbst wenn sie sich, wie von vielen Analysten erwartet, im zweiten Vierteljahr verbessert haben, bleiben Zweifel daran, ob sie sich so stark entwickeln werden, dass die Deutsche Bank ihre ehrgeizigen Ziele für 2011 erfüllen kann. Dann soll der Vorsteuergewinn des Geldhauses auf 10 Milliarden Euro steigen. Rund zwei Drittel davon sollen zwar vom Investmentbanking kommen, 3,7 Millionen Euro aber von den Segmenten Transaction Banking, Vermögensverwaltung und dem Privat- und Firmenkundengeschäft.

Investoren sehen Verzicht auf offenlegung kritisch

Das Institut dürfte sich außerdem am Dienstag zu europäischen Staatsanleihen äußern. Die Deutsche Bank ist eines von nur ganz wenigen Instituten EU-weit, die das Engagement nicht im Rahmen der am vergangenen Freitag veröffentlichten Stresstest-Ergebnisse detailliert offenlegten. Die Bankenregulierer, den den Check koordinierten, werfen den Geldhäusern vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Außerdem könnte so der Eindruck entstehen, die betreffenden Institute hätten etwas zu verbergen.

Die Deutsche Bank argumentiert zwar, Risikovorstand Hugo Bänziger habe die Zahlen bereits im Juni genannt. Diese zeigten mit Ausnahme Italiens ein verschwindend geringes Engagement in den hoch verschuldeten Ländern in der Euro-Peripherie. Investoren scheinen den Verzicht auf die Offenlegung aber kritisch zu sehen: Die Aktie lag am Montag mehr als ein Prozent im Minus und war zeitweise Schlusslicht im Dax.


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Quelle: ftd.de
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