Wenn Bundesbankchef Axel Weber von etwas überzeugt ist, hält er mit seiner Meinung selten hinterm Berg und scheut auch Konflikte nicht. Anfang Mai legte er sich gar öffentlich an mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, und vielen Kollegen im EZB-Rat: Den angesichts der Euro-Krise beschlossenen Kauf von Staatsanleihen lehnt er ab, sagte er am Tag nach dem Beschluss. Er sehe das "auch in dieser außergewöhnlichen Situation kritisch", der Ankauf berge "erhebliche Risiken".
Umso überraschter waren einige Beobachter Ende vergangener Woche, als Weber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg positiv über Sinn und Erfolg der Käufe sprach. Um exzessive Schwankungen auszugleichen, könne es nötig sein, dass Zentralbanken intervenieren, sagte er mit Blick auf die Käufe von Staatsanleihen. Sie hätten zur Beruhigung beigetragen.
Hat Weber also seine Meinung geändert, ist er gar "umgefallen", wie einige mutmaßten? Und - was so mancher spekulierte - will er damit seine Chancen verbessern, 2011 Trichets Nachfolger als EZB-Chef zu werden? Schließlich war seine Ablehnung in großen Teilen der Politik wie im EZB-Rat alles andere als gut angekommen.
Solche Spekulationen wurden zusätzlich dadurch befeuert, dass Weber den Banken im Euro-Raum zugleich in Aussicht stellte, sie bis 2011 hinein unbegrenzt mit Liquidität zu versorgen. "Der versöhnliche Ton könnte vielleicht auch damit zu tun haben, sich vor der Festlegung auf Trichets Nachfolger zu positionieren", sagte Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt bei Barclays Capital, dazu.
Was die Käufe betrifft, beharrt Weber in dem Interview indes zuvorderst auf seiner generellen Kritik. So etwas gehöre nicht zur traditionellen Geldpolitik und "sie bringen Risiken mit sich". Es müsse klar getrennt werden zwischen Fiskal- und Geldpolitik. Das Interview sei "nicht als Kurswechsel zu verstehen", hieß es auch im Umfeld der Bundesbank. Weber sehe die Käufe weiter kritisch.
Zudem sagt Weber an anderer Stelle in dem Interview, dass es für das diplomatische Corps wichtig, aber für einen Zentralbanker "nicht so wesentlich" sei, ein Diplomat zu sein. Das klingt eher nach seiner alten Linie.
Bemerkenswert ist aber, dass er nun einräumt, dass Notenbanken eine Rolle spielen sollten, wenn es an den Märkten Exzesse gibt, oder um ihnen zu einem neuen Gleichgewicht zu verhelfen. Dabei bezieht er sich auf die Risikoaufschläge auf Euro-Staatsanleihen. Im Mai hatte er noch nicht so differenziert.
Vor allem aber sagt er, dass das Programm auch künftig diesen Zweck erfüllen solle. Er plädiert also nicht explizit für dessen Ende. Das wäre aber eher seine alte Linie. Denn Ende Mai hatte er noch gesagt, die Käufe sollten nur "Brückencharakter" haben, bis der 750-Mrd.-Euro-Rettungstopf der EU bereit sei. Aber den Fonds gibt es längst.
Mit seinen jüngsten Aussagen hat sich Weber wieder mehr auf eine Linie mit seinen Kollegen gebracht. Einige von ihnen plädieren dafür, das Kaufprogramm zumindest in geringem Maß fortzusetzen, um im Notfall handlungsfähig zu sein. Die EZB hat zuletzt binnen einer Woche nur noch für 10 Mio. Euro Anleihen gekauft, nach 16,3 Mrd. Euro Anfang Mai.
Doch so ganz auf Schmusekurs ist der Bundesbankchef nicht. Denn mit seinen Aussagen zu den künftigen Liquiditätshilfen der Notenbank greift er der Sitzung des EZB-Rats am 2. September vor. "Seine Aussagen könnten bei Trichet für Irritation sorgen, der immer sein Vorrecht betont, das ,Sprachrohr' des Rats zu sein", sagte EZB-Experte Callow. Darauf hatte Trichet auch hingewiesen, als Weber im Mai mit seiner Kritik vorpreschte.
Quelle: ftd.de
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