Noch vor wenigen Jahren galten Staatsanleihen westlicher Industrieländer als absolut sichere Bank. Dass die Emittenten das Geld nicht zurückzahlen könnten, erschien de facto als ausgeschlossen. Doch jetzt hat die Schuldenkrise europäischer Staaten zu einem radikalen Umdenken unter Anleiheinvestoren geführt. Staatspleiten scheinen plötzlich möglich - verbunden mit bösen Folgen für die Besitzer der Anleihen.
Der Blick der Investoren richtet sich deswegen nun verstärkt nach Fernost, Südamerika und Osteuropa. Schwellenländer erscheinen im Vergleich zu den europäischen Staaten als attraktive Anleiheemittenten. Denn sie sind allenfalls mäßig verschuldet; Investoren bewerten die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen als entsprechend gering.
"Anleger sind aktuell damit konfrontiert, dass die Zinsen steigen könnten"
Kein Wunder, dass sich Festverzinsliche aus Schwellenländern gut entwickelt haben. Davon profitierten auch Investmentfonds, die in chinesische, brasilianische oder indische Anleihen investieren. 2010 erzielten viele Fondsmanager ein Plus von mehr als 20 Prozent, belegt eine Auswertung des Analysehauses Morningstar. Selbst im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre erzielten viele Fonds eine Wertsteigerung von immerhin mehr als zehn Prozent jährlich.
Doch zuletzt hat sich die Lage geändert. Seit Anfang 2011 liegen die Fonds fast durchweg im Minus. Im Durchschnitt haben die Manager rund drei Prozent des Anlegergelds verloren. Die Ursache: Investoren haben wieder verstärkt die Risiken im Blick. "Anleger sind aktuell damit konfrontiert, dass die Zinsen steigen könnten", erläutert John Carlson, Fondsmanager bei Fidelity. Das würde die Kurse von Anleihen unter Druck setzen, weil neu ausgegebene Papiere attraktiver würden.
Dabei unterscheidet sich die Situation in den Schwellenländern grundsätzlich von der Lage in den Industriestaaten. Die Konjunktur in Europa und Nordamerika hat sich, mit Ausnahme von Deutschland, nur langsam von der Wirtschaftskrise erholt. In den aufstrebenden Staaten hat die Wirtschaft hingegen kaum unter der Krise gelitten. Und sie wird wegen der demografischen Entwicklung und des schnellen Anstiegs der Produktivität auch in den nächsten Jahren rasant wachsen. Anziehende Inflationsraten sind die Folge. Das macht sich bereits in steigenden Preisen für Lebensmittel und Rohstoffe bemerkbar. "Die Zentralbanken werden dieser Entwicklung mit Zinserhöhungen begegnen", warnt Carlson.
Zieht die Inflation in den Schwellenländern weiter an, beschert das Anleiheinvestoren ein weiteres Problem. Wenn sie in sogenannte Lokalwährungsanleihen investiert haben, sinkt mit zunehmender Geldentwertung der Wert der jährlichen Kuponzahlungen sowie der Wert des Geldes, das Anleger am Ende der Anleihelaufzeit zurückbekommen. Dieses Risiko wollen Vermögensverwalter reduzieren, indem sie inflationsindexierte Staatsanleihen kaufen.
Favoriten sind Argentinien, Russland und Kasachstan
Diese Papiere sind an die Inflationsrate des jeweiligen Landes gekoppelt. Der Haken an der Sache: Mit inflationsindexierten Anleihen können Investoren die Wirkung der Geldentwertung nur dann neutralisieren, wenn sie eine steigende Inflation früher als andere Marktteilnehmer kommen sehen. Ansonsten hat sich der bevorstehende Anstieg längst im Kurs der Anleihe niedergeschlagen. Fondsanleger müssen also auf das Geschick ihres Portfoliomanagers vertrauen.
In den vergangenen Monaten ist Investoren ein weiteres Risiko von Schwellenländer-Anleihen bewusst geworden. Viele Länder sind politisch weitaus weniger stabil als westliche Industriestaaten. Das haben die Umstürze in Tunesien und Ägypten eindrucksvoll bewiesen. Fondsmanager konzentrieren sich deshalb derzeit auf Papiere von Ländern fern der Unruheherde. "Unsere Favoriten sind im Moment Staatsanleihen aus Argentinien, Russland und Kasachstan", sagt Frank Ehrich, Fondsmanager bei Union Investment: "Sie bieten gegenüber deutschen Bundesanleihen immer noch eine interessante Zusatzrendite."






















