29.04.2009
Experten rechnen damit, dass GM das Angebot nachbessern muss.
Experten rechnen damit, dass GM das Angebot nachbessern muss.
Foto: dpa-PA

GM-Anleihen

Unsicheres Tauschgeschäft

von Dennis Kremer

Der angeschlagene Automobilkonzern General Motors hat seinen Gläubigern ein Angebot gemacht: Sie können ihre Anleihen in Aktien umtauschen. Was deutsche Bondbesitzer jetzt beachten müssen.

Insolvenz oder Sanierungsplan? Seit Wochen hält diese Frage die Gläubiger des angeschlagenen US-Automobilkonzerns General Motors (GM) in Atem. In der Zentrale in Detroit versuchen GM-Chef Fritz Henderson und seine Mitarbeiter derzeit alles, um eine Insolvenz des Fahrzeugbauers zu vermeiden. Der wichtigste Punkt ihres jüngsten Sanierungsplanes: Sie schlagen Anleihebesitzern ein Tauschgeschäft vor. 225 GM-Aktien je 1000 Dollar Nennwert eines Bonds sollen sie danach erhalten. Für deutsche Bondbesitzer gilt das Angebot noch nicht, da der Autohersteller hierfür erst weitere juristische Genehmigungen benötigt.

Ob der Tauschvorschlag tatsächlich auch für deutsche Privatanleger relevant wird, ist jedoch derzeit eher unwahrscheinlich. Denn eine wichtige Gläubigervereinigung in den USA hat bereits angekündigt, das Angebot nicht annehmen zu wollen. Damit gerät die GM-Führung unter Zugzwang: Denn die US-Regierung hat weitere staatliche Kredite für den Automobilhersteller unter anderem davon abhängig gemacht, dass mindestens 90 Prozent der Anleihebesitzer das Angebot akzeptierten. Sollte die Gläubigervereinigung bei ihrer Weigerung bleiben, würde diese Quote in jedem Fall verfehlt. Die Experten der Unicredit erwarten darum, dass GM-Chef Henderson in den nächsten Tagen einen verbesserten Vorschlag präsentieren wird.

GM-Bonds-Verkauf nur mit herben Verlusten möglich

Sollte ein solches Angebot dann auch tatsächlich deutsche Privatanleger erreichen, müssten sie genau abwägen: GM-Bonds können sie derzeit nur mit enormen Abschlägen von bis zu 90 Prozent vom Nennwert verkaufen, zudem war der Handel in den vergangenen Wochen eingeschränkt. Auch bei einer Insolvenz des Konzerns würden sie derzeit nach Meinung der meisten Marktbeobachter wohl nicht viel mehr als 10 Prozent des Nennwertes ihrer Anleihen zurückerhalten. Zudem müssten sie bei einer Pleite wahrscheinlich länger auf ihr Geld warten. Sollten sie allerdings auf das Tauschangebot eingehen und für ihre Bonds Aktien erhalten, wäre auch das nicht ohne Risiko: Denn über die weitere Entwicklung des GM-Aktienkurses wollen selbst professionelle Marktbeobachter derzeit kaum Prognosen abgeben.


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