Als MF Global den größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte auswies, trank der Chicago-Chef des Brokerhauses in Naples, Florida, im Ritz-Carlton einen Wodka-Cocktail - mit Blick über den Golf von Mexico. "Wow, gerade ist die Sonne untergegangen", sagte John Brady zu seiner Frau und zwei Kollegen, die mit ihm auf einer Konferenz waren. "Ich hoffe, sie geht für MF Global nicht unter."
Eine Woche später brach MF Global zusammen. Brady und 1065 Kollegen verloren ihren Job und schlossen sich damit dem Heer von über 200.000 Entlassenen an, die in diesem Jahr in der internationalen Finanzbranche vor die Tür gesetzt wurden. Der Arbeitsplatzabbau stellt damit die Entlassungen des Krisenjahres 2009 in den Schatten, die sich laut Bloomberg-Daten auf 174.000 beliefen.
Die jüngsten Stellenstreichungen wurden vergangene Woche bei
BNP Paribas und
Unicredit angekündigt. Mit dem Fortschreiten der Staatsschuldenkrise in Europa dürfte sich die Situation weiter verschärfen. "Dies ist etwas ganz anderes", sagte Huw Jenkins, ein früherer Chef des Investmentbankings der
UBS, der inzwischen Managing Partner bei der brasilianischen Banco BTG Pactual ist. "Es ist ein struktureller Wandel. Die Branche schrumpft."
Von der Krise 2008 erholte sich die Wall Street mit staatlicher Hilfe ungekannten Ausmaßes, Kredite der Federal Reserve eingeschlossen. Im Jahr danach wies
Goldman Sachs einen Rekordgewinn aus. Die an die Beschäftigten in New York City ausgeschütteten Boni stiegen um 17 Prozent auf insgesamt 20,3 Mrd. Dollar.
Der Führungskräfte-Spezialist Steven Eckhaus von der Kanzlei Katten Muchin Rosenman bezeichnet die Entwicklung als "Paradigmenwechsel". Die Kapitalanforderungen sind gestiegen, exotische Finanzprodukte gescheitert und der Eigenhandel nimmt ab. Eckhaus gibt inzwischen nichts mehr auf seine frühere Einschätzung, wahres Talent führe letztlich nach New York. Zu den früheren Kunden des New Yorker Anwalts gehört die frühere Lehman-Brothers-Finanzchefin Erin Callan.






















