27.01.2010
Die BigBank gehört nicht der deutschen Einlagensicherung an.
Die BigBank gehört nicht der deutschen Einlagensicherung an.
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Investor-Artikel

Festgeld

(Not) too big to fail

von Markus Hinterberger

Mit Festgeldzinsen von bis zu 4,7 Prozent macht die estnische BigBank hierzulande auf sich aufmerksam. Die Einlagensicherung lässt jedoch zu wünschen übrig.

Es ist kein Größenwahn, warum die BigBank aus Estland heißt, wie sie heißt. Zumal in Zeiten der Finanzkrise, die Größe einer Bank nicht gerade ein gutes Omen ist. Die Buchstaben Big stehen für Balti Investeeringute Grupp, frei übersetzt "Baltische Anlage Bank".

Tatsächlich groß ist das Zinsversprechen des 1992 gegründeten Instituts an deutsche Sparer, die mehr als 1000 Euro anlegen wollen. Bei 2,9 Prozent beginnt die Zinsskala - und zwar für alle, die Geld ein halbes Jahr den Esten anvertrauen - bei 4,7 Prozent endet sie. Diesen Satz gibt es für alle, die fünf Jahre lang auf ihr Geld warten können. Das klassische einjährige Festgeld kommt auf 3,3 Prozent. Zum Vergleich: Die ICICI Bank als zweitplatzierter Anbieter im  Capital-Festgeldvergleich bietet auf ein Jahr gerade einmal 2,6 Prozent. Jedoch ist die ICICI Bank Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Somit sind pro Kunde 1,5 Millionen Euro gesichert.

Schwache Einlagensicherung relativiert den Zinsgenuss

Ein Blick auf die Einlagensicherung der BigBank, relativiert den Zinsgenuss jedoch erheblich. Im Falle einer Insolvenz schützt Estland die Festgelder pro Kopf bis zu einer Höhe von 50.000 Euro. Das ist EU-Standard, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wie andere Volkswirtschaften Osteuropas auch, hat Estland unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten. Dementsprechend gibt es Zweifel an der Bonität der Baltenrepublik, auch wenn die Rating-Agentur Moody's dem Land kürzlich das beste Rating unter den EU-Staaten gab, die noch nicht den Euro eingeführt haben.

"Anleger, die auf Sicherheit wert legen sollten sich nach Angeboten mit einer deutschen Einlagensicherung umschauen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es gebe keine Garantie, dass übrigen EU -Staaten im Falle einer Insolvenz Estlands einspringen würde, um die Ersparnisse ausländischer Kunden zu retten.

Die Kunden der vor mehr als einem Jahr untergegangenen Kaupthing Bank hatten rund ein halbes Jahr auf ihr Geld warten müssen. Damals hatte die Bundesrepublik den Isländern mit einem Kredit zur Hilfe kommen müssen. "Wer sich trotzdem für ein Konto bei BigBank entscheidet, sollte sich der Risiken bewusst sein", so Nauhauser. Kontakt zur BigBank gibt es nur via Telefon oder Email. Eine deutsche Repräsentanz gibt es nicht, allerdings scheinen die Esten bereit zu sein auch mit Filialen zu expandieren. So gibt es Geschäftsstellen in Lettland und Litauen, sowie seit einigen Monaten auch in Finnland.

Wir empfehlen, das gewiss verlockende Angebot mit Vorsicht zu genießen. Die Einlagensicherung erfüllt nur die Mindestanforderungen. Und es gibt keine Erfahrung, wie lange Kunden auf ihr Geld warten müssen, sollte eine estnische Bank Pleite gehen.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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