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12.11.2010
Gehören zum Service: Family Offices kaufen auch Pferde oder besorgen dem Filius einen Praktikumsplatz
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Foto: dpa
Investor-Artikel

Family Offices

Wie die Superreichen ihr Geld anlegen

von Ina Linden

Immer mehr Wohlhabende tragen ihr Geld zu serviceorientierten Vermögensverwaltern, den Family Offices. Eine Studie wirft ein Schlaglicht auf die verschwiegenen Nannys: Rennpferde zählen dort ebenso zum Portfolio wie Schwellenländeraktien und Immobilien.

Im schwer durchschaubaren Markt für Family Offices stehen die Zeichen auf Wachstum. Schätzungen zufolge gibt es weltweit zwischen 550 und 4000 dieser Spezialdienstleister für Vermögende. Wolfgang Gerke, Experte für Bank- und Börsenwesen und Leiter des Bayrischen Finanzzentrums, sieht einen steigenden Trend. "Immer mehr Vermögende versuchen, Teile ihres Vermögens professionell auszugliedern", sagte Gerke im Gespräch mit capital.de.

Eine Studie mit 64 Unternehmen, die vorwiegend in der Schweiz und Deutschland ansässig sind, hat ergeben, dass sich die breit gestreute Anlagestrategie der Family Offices in der Krise ausgezahlt hat. Weniger als acht Prozent musste ihren Investitionsansatz, der sich auf Kapitalerhalt und Diversifikation ausrichtet, grundlegend ändern.

Hinter Family-Offices verbergen sich Gesellschaften, die das Geld sehr vermögender Privatkunden, häufig Unternehmerfamilien, verwalten und oft auch ausgefallenen Service anbieten. Die Branche setzt auf Diskretion und ist im Markt immer noch Terra Incognita. Es geht um Vererben, Schenkungen und Familienwerte. Family-Office-Manager organisieren Eintrittskarten für die Oper und besorgen dem Filius einen Praktikumsplatz. Die Vermögen, die in der Regel zwischen 300 Mio. und 3 Mrd. Euro liegen, werden auf die unterschiedlichsten Anlageklassen verteilt. Family Offices investieren in Aktien, Immobilien und Hedgefonds - und in Luxusgüter wie Rennpferde, Wälder und Kunstgegenstände. Single Family Offices widmen sich einer einzigen Person oder Familie, Multi Family Offices betreuen mehrere Vermögen.

Die Studie, die das Bayrische Finanzzentrum zusammen mit dem Beratungsunternehmen Complementa Investment-Controlling und J.P.Morgan erstellt hat, zeigt, dass Vermögende ihr Geld breit gestreut anlegen und hauptsächlich in Aktien investieren, um ihre Renditeziele von bis zu 20 Prozent zu erreichen. "Erstaunlich ist, dass Family Offices kaum mit Währungen spekulieren, aber Marktrisiken offensiv angehen", sagte Gerke. Neben reiner Liquidität und Aktien stehe die Immobilie zurück, da viele Family Offices zu klein sind, um professionell Liegenschaften verwalten zu können.

Parallelen zwischen Family Offices und Hedgefonds

Anlagen in Wald und Ackerland lohne sich ebenfalls nur bei großen Vermögen und gut besetzten Family Offices, so Gerke. In diesen Fällen investierten Reiche rund zehn Prozent ihres Vermögens. Zu den beliebten Anlageklassen gehören auch Liebhabereien wie Weine, Schlösser, Autos und Yachten. Mehr als die Hälfte der Befragten legt ihr Geld in Kunstgegenständen an. "Da ist Ökonomie oft ein Vorwand", sagt Gerke.

Um Renditen von zehn bis 20 Prozent zu erwirtschaften, setzten Family Offices auf alternative Anlageformen: Sieben Prozent des Vermögens investieren sie in Hedgefonds und acht Prozent in Private Equity. Angelegt wird weltweit. Als Sicherheit dienen Rohstoffe, Gold und Immobilien.

Für die nahe Zukunft zieht Gerke Parallelen zwischen Family Offices und Hedgefonds: Wegen oft milliardenschwerer Anlagesummen blieben auch Family Office langfristig nicht unreguliert. "Ich vermute, dass das Wachstum in dieser Branche so groß sein wird, dass ein G-40-Gipfel in zehn Jahren die Family Offices transparenter machen will", sagt Gerke. Es werde auch darum gehen, wie man Luxussachwerte steuerlich behandelt. "Der Markt wird nicht lange unreguliert bleiben", so Gerke.


© 2010 capital.de

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