18.06.2010
Die Schweizer Währung hat gegenüber dem Euro auf derzeit 1,3771 Franken aufgewertet.
Die Schweizer Währung hat gegenüber dem Euro auf derzeit 1,3771 Franken aufgewertet.
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Investor-Artikel

Euro-Turbulenzen

Franken stehen wieder hoch im Kurs

von Karl-Heinz Möller

Schweizer Vermögensverwalter und Banken sind wieder begehrte Gesprächspartner. Deutsche Anleger schätzen Währungsstabilität und ein verlässliches politisches Umfeld.

Mit der Aufwertung des Schweizer Franken zum Euro ist das Ansehen der Schweiz als sicherer Hort für Vermögen wieder gestiegen. Vergessen sind die Polemik um das Bankgeheimnis und der Dissens mit dem großen Nachbarn. Auch der tiefe Fall des Bankriesen UBS scheint abgehakt. Zum aktuellen UBS-Spot "Die Schweiz entdecken" jodeln die Anleger nicht nur, sondern bringen Geld, Gold und Devisen zurück ins Alpenland. Eine Studie der Universität St. Gallen identifiziert "swissness" als Merkmal für Qualität und Stabilität. Das passt in die Landschaft wie das Matterhorn zur Schweiz.

Generell ist unklar, ob überhaupt Vermögen und wenn ja wie viel während der Hau- und Stechphase aus der Schweiz in Richtung Deutschland gewandert ist. Martin C. Janssen, Finanzmarktökonom am Bankeninstitut der Universität Zürich und Thinktank der Ecofin Research and Consulting, sagt: "Ich glaube, dass Bestände abgeflossen sind. Insgesamt vielleicht ein oder zwei Prozent des gesamten Bestandes, im Maximum eine Zahl zwischen 1 und 2 Milliarden Franken."

In der aktuellen, unsicheren Zeit könne die Schweiz ihre Rolle als Diversifikationsstandort für politische Risiken voll ausspielen. "Geld wird sicher im Moment zurückfließen. Es dürfte aber wohl anderes Geld sein", sagt Janssen. Schließlich wandern auch weiterhin EU-Bürger in die Schweiz ein, die ihr Geld mitbringen. "Die Zahlen, die man betreffend der Rückflüsse mal hört - mehr als 5 Milliarden Schweizer Franken pro Tag -, scheinen mir arg übertrieben."

Dort, wo Franken und Euro angelegt werden, steigen für die Schweiz offensichtlich die Chancen. "Das Euro-Thema wird in jedem Gespräch mit Investoren rege diskutiert und die Verunsicherung ist enorm groß. Selbst bei Partnern, die schon 30 Jahre im Geschäft sind und viele Stresssituationen erlebt haben, macht der schnelle Wertverlust des Euro Manchen nervös", sagt Stefan Küng, Vorstand der Vermögensberatung KFS im Schweizer Widnau, ein Ort im Grenzgebiet zwischen dem österreichischen Bundesland Vorarlberg und dem schweizerischen Kanton St. Gallen.

In diesem Kontext liefere der Standort Schweiz immer ein zusätzliches Argument bei der Entscheidung für die Investition in ein spezielles Asset. Küng hat den Eindruck, dass Image und Sicherheit wieder stärker als noch vor einem Jahr mit der Schweiz verbunden werden. Obwohl die Schweizer Bundesanleihen niedriger als das deutsche Pendant verzinst sind - 1,5 Prozent für ein Papier mit zehnjähriger Laufzeit - und höhere Gebühren aufgerufen werden, wirke das momentane Szenario doppelt: Die Diskussion um den Euro bleibt explosiv und der Wert des Schweizer Franken steigt und unterschreitet die Schwelle von 1,40 Euro.

Bei Privatbanken sind die Motive der Anleger aufgrund des Investmentansatzes meist anders. "Unsere Klientel ist in der Regel langfristig orientiert", sagt Heinrich Adami, Group Managing Director bei Pictet und für die Koordination des Wealth-Managements zuständig. Somit habe seine Bank keine Abflüsse zu verzeichnen gehabt. "Im Gegenteil erfährt eine von persönlich haftenden Teilhabern geführte Privatbank mit alleiniger Fokussierung auf die Vermögensverwaltung und mit einer sauberen Bilanz gerade in volatilen oder gar in Krisenzeiten, in denen ja auch das Vertrauen in die Banken im allgemeinen sehr gelitten hat, großen Zuspruch", sagt Adami. Seinen Angaben zufolge konnte Pictet international in 2009 netto einen Mittelzufluss von 20 Milliarden Schweizer Franken verzeichnen. "Und dieser Trend wird nun durch den starken und soliden Schweizer Franken sowie durch die ausgezeichneten Wirtschaftsdaten und die politische Stabilität der Schweiz noch verstärkt."

Investoren mit langfristigem Horizont rechnen aber anders. Seit Einführung des Euro hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Schweizer Franken nur um rund zwei Prozent nachgegeben. Also doch alles im Lot? Auf die Behauptung von Neoliberalen, langfristig stelle sich immer wieder ein Gleichgewicht her, gab der Nationalökonom Keynes die berühmte Antwort: "Langfristig sind wir alle tot." Und fügte hinzu: "Die Ökonomen stellen sich eine zu einfache und zu nutzlose Aufgabe, wenn sie uns in stürmischen Zeiten lediglich mitteilen können, dass das Meer, sobald der Sturm vorüber ist, wieder glatt sein wird."

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Favorit
Die Schweiz bleibt unter den vermögenden Anlegern ein wichtiger Standort. Wie aus einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht, ist die Schweiz wichtigstes Anlegermekka mit einem Anteil von 27 Prozent der weltweiten Offshore- Vermögenswerte. Unter Offshore versteht man Länder, in denen der Anleger keinen gesetzlichen oder steuerlichen Wohnsitz hat.

Zuwachs
Weltweit wuchsen die Anlagen in Offshore-Gebieten 2009 auf 7,4 Billionen US-Dollar. 2008 betrug die Summe noch 6,8 Billionen US-Dollar. Laut der Studie haben die traditionellen Offshore- Zentren ihren Zenit allerdings überschritten. BCG prognostiziert einen leichten Rückgang des Offshore- Vermögens von aktuell sieben auf rund sechs Prozent bis 2014.


Quelle: ftd
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