19.03.2010
Seit 2007 gibt es eine EU-Richtlinie, die die Bargeldausgabe in Supermärkten ermöglicht.
Seit 2007 gibt es eine EU-Richtlinie, die die Bargeldausgabe in Supermärkten ermöglicht.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Bargeld

Alternative zu Geldautomaten

von Stefan Ludwig

Der Streit um Gebühren an Geldautomaten lässt diese Anbieter kalt: Rewe, Penny und Shell versorgen ihre Kunden bereits mit Bargeld. Vieles spricht dafür, dass die Konkurrenz bald nachzieht.

Wer an der Kasse bezahlt, kann sich immer häufiger auch Bargeld von seinem Bankkonto auszahlen lassen. Die Supermarktketten Rewe und Penny sowie Shell-Tankstellen bieten diesen Service bereits an. Auch weitere Einzelhändler haben an dem Modell Interesse: Sie erkundigen sich in letzter Zeit verstärkt nach dem Verfahren, sagt ein Sprecher des Handelverbands Deutschland. Der Service kommt den Gewohnheiten der Deutschen entgegen, schließlich setzen sie ihre EC-Karte schon heute häufiger an der Kasse ein, als sie mit ihr Geld abheben.

Dass Händler Bargeld ausgeben, ermöglicht ein neues Gesetz. Das häufig Cash-back genannte Verfahren beruht auf einer EU-Richtlinie von 2007, die auf einen einheitlichen Zahlungsverkehr in Europa zielt. Die deutsche Regierung setzte die Vorgaben im Oktober vergangenen Jahres in das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz um. Cash-back ist ein Nebenprodukt des Gesetzes und lässt Bargeldausgabe zu, sofern der Kunde etwas kauft und das Verfahren elektronisch abgesichert ist.

Weg von der Filialstruktur

Ohnehin löst sich die Bargeldversorgung zunehmend von der Filialstruktur der Banken. So betreibt die Postbank in Obi-Baumärkten 180 Automaten. Die Direktbank ING-Diba baute an bankenunabhängigen Standorten wie Tankstellen und Elektrofachmärkten das mittlerweile fünftgrößte Geldautomatennetz Deutschlands auf. Im Internet wirbt sie zudem mit dem Angebot der Rewe-Märkte.

Die Supermarktkette ist Vorreiter bei der Bargeldversorgung ohne Automaten - sie bietet den Service schon seit 2003 an. Damals griff Rewe allerdings auf das Lastschriftverfahren zurück. "Sie haben den Kunden sozusagen einen Kredit gegeben", sagt ein Sprecher der Finanzaufsicht BaFin. Für den Händler birgt dieses Verfahren jedoch ein Risiko, da nicht überprüft wird, ob das Konto gedeckt ist.

Inzwischen nutzen die Märkte das neue Verfahren, bei dem der Kunde seine Pin-Nummer eingeben muss. "Der Service kostet den Händler, lockt aber Kunden in die Läden", sagt ein Sprecher des Handelsverbands. Wer für mindestens 20 Euro bei Rewe einkauft, darf kostenlos bis zu 200 Euro Bargeld von seinem Bankkonto abheben. Abgesichert wird das Verfahren über das Electronic-Cash-System. Bei dem zur Rewe-Gruppe gehörenden Discounter Penny ist das System ebenfalls etabliert - hier muss allerdings für 25 Euro eingekauft werden.

Auch Kreditkarten an Cash-back interessiert

Auch Shell-Tankstellen bieten einen vergleichbaren Service. Dort entnimmt der Tankwart das Geld einem sogenannten "bedienten Geldautomaten", über den der gesamte Bargeldverkehr der Filialen abgewickelt wird. Kunden von Postbank, Dresdner Bank, Commerzbank, Deutscher Bank und deren Tochterunternehmen können so auch ohne Einkauf bis zu 1000 Euro täglich abheben. Sogar Einzahlungen sind möglich. Kunden anderer Banken zahlen Gebühren.

Die Postbank suchte sich Shell als Partner, um die Bargeldversorgung ihrer Kunden zu verbessern. "Bisher gab es noch weiße Flecken auf dem Land", so ein Sprecher. Inzwischen sind auch die anderen Kreditinstitute der sogenannten Cashgroup in das System integriert. Bis zum Sommer will Shell das Angebot ausbauen: Aus den momentan 600 teilnehmenden Tankstellen sollen dann 1300 werden. Um noch mehr Kunden von dem System zu überzeugen, wirbt die Postbank derzeit mit 1 Cent Rabatt pro Liter getanktem Kraftstoff.

Auch Mastercard ist an Cash-back interessiert. Die Kreditkartenorganisation betreibt das Maestro-System und hat seine IT-Systeme bereits fit für die Bargeldversorgung gemacht. Die meisten deutschen EC-Karten sind Maestro-kompatibel, damit sie auch im Ausland funktionieren. In England, Belgien und Irland ist die Geldausgabe im Supermarkt über Maestro schon seit mehreren Jahren Alltag. In Deutschland fehlen bislang entsprechende Kooperationen.

Ob weitere Einzelhändler auf den Vorstoß von Rewe und Shell reagieren, ist bislang offen. Das Gesetz ist relativ neu, einige haben sich noch nicht mit dem System beschäftigt. "Wir suchen weitere Partner", sagt ein Postbank-Sprecher. Für Aldi und Lidl ist Cash-back bisher kein Thema. Auch Edeka hält sich zurück: Ein Sprecher verweist auf "die notwendigen Bargeldbestände und die daran geknüpften Sicherheitsaspekte". Die zur Edeka-Gruppe gehörigen Netto-Märkte bieten derzeit zwar keine Bargeldversorgung an. Eine Sprecherin wollte entsprechende Pläne für die Zukunft aber nicht ausschließen.


Quelle: ftd
© 2010 Capital

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