Der Chef höchstpersönlich sprach Klartext. Es sei "wahrscheinlich", dass General Motors den Insolvenzprozess durchlaufen müsse, teilte Fritz Henderson am vergangenen Freitag in einer Telefonkonferenz mit. Dass selbst der GM-Chef eine Pleite seines Unternehmens als möglich ansieht, hat mittlerweile auch Anleihenbesitzer der früheren GM-Finanzierungstochter GMAC verunsichert. An der hält der US-Autobauer zwar nur noch eine Minderheitsbeteiligung. Wirtschaftlich aber sind die beiden Unternehmen immer noch eng verbunden, da General Motors einen Teil seiner Autofinanzierungsgeschäfte weiterhin über GMAC abwickelt.
"Kein zweiter Fall Lehman"
Rein juristisch gesehen allerdings hätte eine GM-Pleite keine Konsequenzen für GMAC. "Aus einer GM-Pleite folgt nicht notwendigerweise eine GMAC-Pleite", sagt Sven Kreitmair, Spezialist für Autowerte bei Unicredit. "Es gibt da keinen Insolvenzautomatismus."
Ökonomisch betrachtet würde eine Pleite der einstigen Mutter aber auch GMAC zusetzen. "Ein Ausfall von GM würde die GMAC-Bilanz deutlich belasten", weiß Kreitmair. Wie prekär die Lage von GMAC bereits ist, zeigen die Einschätzungen der Ratingagenturen: Alle sehen die Bonds des Autofinanzierers als hoch ausfallgefährdet an. Trotzdem beruhigt Kreitmair: "Wir gehen nicht davon aus, dass GMAC zu einem zweiten Fall Lehman Brothers wird."
GMAC wurde bereits Ende des Jahres 2008 in eine Geschäftsbank umgewandelt und erhielt so Zugang zum Bankenrettungspaket der amerikanischen Regierung. Experten wie Kreitmair halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die US-Regierung nach der Investmentbank Lehman Brothers noch ein weiteres Institut in die Pleite schlittern lässt. Dazu seien die Geschäftsbeziehungen zwischen GMAC und anderen Geldhäusern zu eng. Ganz ausschließen lasse sich die Gefahr einer Insolvenz allerdings nicht.
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