Um von Investoren als Staatsanleihe wahrgenommen zu werden, gehört nach Ansicht von Analysten mehr als nur die Tatsache, dass sie von einem Staat begeben wird. Morgan Stanley etwa nennt als zusätzliche Kriterien noch unter anderem, wie sich die Anleihe am Zweitmarkt verhält. Erst wenn diese Kriterien erfüllt seien, würden Investoren Staatsanleihen in ihre Bondportfolios aufnehmen, wo sie aufgrund ihrer Vorhersagbarkeit als Risikoabsicherung funktionieren können.
Viele dieser Kriterien haben aber gerade die Staatsanleihen aus den europäischen Peripherie-Staaten inzwischen verloren. Nach Ansicht der Analysten muss eine Staatsanleihe etwa eine hohe Liquidität bei einer gleichzeitig geringen Wertschwankungsbreite aufweisen, zudem sollte ihre Wertentwicklung gegenläufig zu der von riskanteren Anlageklassen sein. Lange Zeit galten Anleihen aus der Euro-Zone als klassisches Investment dieser Art - dabei war es fast vollkommen egal, welcher Staat sie begab.
Doch seit dem Beginn der Schuldenkrise trennt sich bei den europäischen Staatsanleihen die Spreu vom Weizen. Während etwa deutsche oder österreichische Anleihen auch weiterhin Staatsanleihen im klassischen Sinne sind, haben Griechenbonds oder italienische Anleihen viele der notwendigen Charakteristika verloren.
Denn diese Papiere sich hoch volatil, die Entwicklung nicht mehr vorhersagbar und teilweise sind sie nur noch schwer handelbar. Wer die Anleihen in seinem Depot hat, findet häufig nur noch schwer einen Käufer und wenn doch, dann mit einem gehörigen Preisabschlag - was wiederum die Renditen in die Höhe treibt. So fliehen derzeit auch viele Banken aus ihren Anleiheinvestments. Sie verkaufen sie teilweise mit Verlust, wie zuletzt etwa die
Commerzbank freimütig einräumte.
Zudem weisen sie inzwischen eine starke Abhängigkeit von Aktienmärkten auf. So steigen die Renditen von italienischen Anleihen und gleichzeitig fällt der Aktienmarkt - die Investoren verkaufen quer durch die Bank alles, was mit dem Land zu tun hat. Die Anleihe selbst ist nicht mehr der sichere Hafen, in den Investoren flüchten können, wenn es den Unternehmen schlecht geht. Bei Staaten wie Deutschland ist dies klassischerweise genau umgekehrt.






















