19.03.2010
 CAPITAL-SERIE Interview der Woche

Die Macher der Finanzszene stellen sich den Fragen der capital.de-Redaktion


Seite  1 | 2

Andrew Lo, Professor an der MIT Sloan School of ­Management in Cambridge.
Andrew Lo, Professor an der MIT Sloan School of ­Management in Cambridge.
Foto: Bloomberg
Investor-Artikel

Interview

"Die Entwicklung bei Gold ist bedenklich"

von Nele Husmann

MIT-Ökonom Andrew Lo versucht, die Irrationalität der Märkte in ein Modell zu fassen. Der Nobelpreis-Kandidat rät Anlegern, über Aktien und Anleihen hinaus zu diversifizieren, und warnt vor einer Blase am Goldmarkt.

Mister Lo, der Schock der Finanzkrise steckt vielen Anlegern noch in den Knochen. Was ist Ihre Lehre aus dem Crash?

Alte Regeln müssen revidiert werden. Diversifikation ist im Prinzip noch eine korrekte Annahme, aber viele Assetklassen sind heute stärker miteinander verbunden. Der traditionelle Ansatz mit Aktien, Anleihen und Fonds reicht nicht mehr aus. Um über die Runden zu kommen, muss man in Währungen, Rohstoffe, Immobilien und Private Equity sowie in Long- und Short-Strategien investieren.

Inwiefern haben sich die Märkte geändert?

Das altgediente Modell vom effizienten Markt erklärt Blasen und Crashs nicht. Ich habe ein neues Modell der Adaptive Markets Hypothesis entwickelt. Der Ansatz des sich anpassenden Marktes ist von der Evolution abgeleitet. Märkte bestehen aus Menschen. Manchmal handeln diese rational, dann wieder sehr emotional. Dieses gegensätzliche Verhalten lässt sich am Markt beobachten.

Mit anderen Worten: Der Aktienmarkt notiert selten am fairen Wert?

Andrew Lo

ist Professor an der MIT Sloan School of ­Management in Cambridge bei Boston. Sein Ansatz, mit der Adaptive Markets Hypothesis die Irrationalität der Aktienmärkte zu erklären, gilt als würdig für den Nobelpreis. Lo ist ­spezialisiert auf quantitative Asset-Allocation.

Eine Masse von Anlegern kann den Durchschnittswert sehr genau bestimmen, wenn die Meinungen weit auseinanderliegen. Sind sie aber identisch, hat die Durchschnittsmeinung keinen Wert. In einer Krise oder Euphorie setzt sich die Verrücktheit der Masse durch – Angst oder Gier führen dazu, dass jeder das Gleiche denkt. Effiziente Märkte gibt es dann, wenn der emotionale Faktor niedrig ist. In Perioden extremer Prosperität oder großer Angst kommt hingegen die Verrücktheit der Masse zum Zug.

Erwarten Sie neues Ungemach?

Ich sorge mich um den gewerblichen amerikanischen Immobilienmarkt. Die Kredite werden vor allem von kleinen und mittelgroßen Banken vergeben, die leicht pleitegehen können. Das hätte einen verheerenden Effekt auf die Wirtschaft, denn der staatliche Rettungsfonds FDIC ist bereits stark in Anspruch genommen. Bedenklich ist auch die Entwicklung bei Gold. Der Goldmarkt ist extrem heiß gelaufen, weil viele eine Inflation erwarten. Aber wegen der schwachen Weltwirtschaft kann es lange dauern, bis wir Preisanstiege sehen. Der Goldpreis ist hingegen heute schon extrem hoch; das ist eine Blase, die bald platzen könnte.

Es gibt viele Finanzinnovationen rund um Gold, Zertifikate zum Beispiel. Kann das eine Krise verstärken?

Allerdings, die Märkte sind extrem gut darin, den Menschen das zu geben, was sie wollen. Doch das ist nicht immer gesund. Etwa bei einem All-you-can-eat-Büfett. Finanzmärkte sind wie solch ein Büfett – wenn du ein Risiko auf dich nehmen willst, findest du auch jemanden, der dir dabei helfen wird.


Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Marktinformationen

DAXTecDAXDowNAS
Chart
DAX TopsDiff %
Daimler
BMW
Volkswagen
Flops
DEUTSCHE B
Fresenius
Merck
DAX 6.766,67+1,67%
TecDAX 771,75+1,40%
MDAX 10.413,97+1,98%
DOW 12.862,23+1,23%
NASDAQ 2.529,17+1,34%
EUR/US 1,3155+0,07%
GOLD 1.734,00-0,97%
 Quelle: vwd netsolutions GmbH
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)3,03%2,68-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,72%0,22-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,82%0,75-3,30%
Sparbriefe (4 Jahre)1,89%0,60-3,50%
Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
Ratenkredite (36 Monate)6,98%4,70-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...
Wohnquartier Report
Suche

Professionelle Bewertung der Wohnumgebung von Immobilien.

PLZ
Ort
Straße, Nr.