Mister Lo, der Schock der Finanzkrise steckt vielen Anlegern noch in den Knochen. Was ist Ihre Lehre aus dem Crash?
Alte Regeln müssen revidiert werden. Diversifikation ist im Prinzip noch eine korrekte Annahme, aber viele Assetklassen sind heute stärker miteinander verbunden. Der traditionelle Ansatz mit Aktien, Anleihen und Fonds reicht nicht mehr aus. Um über die Runden zu kommen, muss man in Währungen, Rohstoffe, Immobilien und Private Equity sowie in Long- und Short-Strategien investieren.
Inwiefern haben sich die Märkte geändert?
Das altgediente Modell vom effizienten Markt erklärt Blasen und Crashs nicht. Ich habe ein neues Modell der Adaptive Markets Hypothesis entwickelt. Der Ansatz des sich anpassenden Marktes ist von der Evolution abgeleitet. Märkte bestehen aus Menschen. Manchmal handeln diese rational, dann wieder sehr emotional. Dieses gegensätzliche Verhalten lässt sich am Markt beobachten.
Mit anderen Worten: Der Aktienmarkt notiert selten am fairen Wert?
ist Professor an der MIT Sloan School of Management in Cambridge bei Boston. Sein Ansatz, mit der Adaptive Markets Hypothesis die Irrationalität der Aktienmärkte zu erklären, gilt als würdig für den Nobelpreis. Lo ist spezialisiert auf quantitative Asset-Allocation.
Eine Masse von Anlegern kann den Durchschnittswert sehr genau bestimmen, wenn die Meinungen weit auseinanderliegen. Sind sie aber identisch, hat die Durchschnittsmeinung keinen Wert. In einer Krise oder Euphorie setzt sich die Verrücktheit der Masse durch – Angst oder Gier führen dazu, dass jeder das Gleiche denkt. Effiziente Märkte gibt es dann, wenn der emotionale Faktor niedrig ist. In Perioden extremer Prosperität oder großer Angst kommt hingegen die Verrücktheit der Masse zum Zug.
Erwarten Sie neues Ungemach?
Ich sorge mich um den gewerblichen amerikanischen Immobilienmarkt. Die Kredite werden vor allem von kleinen und mittelgroßen Banken vergeben, die leicht pleitegehen können. Das hätte einen verheerenden Effekt auf die Wirtschaft, denn der staatliche Rettungsfonds FDIC ist bereits stark in Anspruch genommen. Bedenklich ist auch die Entwicklung bei Gold. Der Goldmarkt ist extrem heiß gelaufen, weil viele eine Inflation erwarten. Aber wegen der schwachen Weltwirtschaft kann es lange dauern, bis wir Preisanstiege sehen. Der Goldpreis ist hingegen heute schon extrem hoch; das ist eine Blase, die bald platzen könnte.
Es gibt viele Finanzinnovationen rund um Gold, Zertifikate zum Beispiel. Kann das eine Krise verstärken?
Allerdings, die Märkte sind extrem gut darin, den Menschen das zu geben, was sie wollen. Doch das ist nicht immer gesund. Etwa bei einem All-you-can-eat-Büfett. Finanzmärkte sind wie solch ein Büfett – wenn du ein Risiko auf dich nehmen willst, findest du auch jemanden, der dir dabei helfen wird.































