Anleger sollten, die jetzt einsteigen und die Papiere bis zum Ende halten wollen, darauf setzen, dass Griechenland im Notfall durch die EU gerettet wird. Nach der vagen Beistandsankündigung auf dem EU-Gipfel im Februar stehen die Zeichen dafür jetzt gut.
Kurzfristig orientierte Interessenten für Griechenbonds sind aber gut beraten genau hinschauen, für welche Laufzeit sie sich entscheiden. „Das beste Chance-Risiko-Verhältnis bietet sich bei kürzeren und mittleren Laufzeiten“, sagt Elmar Völker, Rentenstratege bei der LBBW. Völker spielt damit auf eine Besonderheit bei den griechischen Staatspapieren an, die seit Wochen zu beobachten ist.
So rentieren zweijährige Papiere ungefähr auf dem Niveau von fünf- oder zehnjährigen Bonds. An manchen Tagen kommt es sogar vor, dass kürzer laufende Papiere höhere Renditen bieten als länger laufende Anleihen. Experten sprechen dann von einer inversen Renditestrukturkurve.
Solche Phänomen sind am Bondmarkt ungewöhnlich und treten häufig kurz vor Rezessionen auf, oder wenn sich Investoren akut um die Zahlungsfähigkeit eines Emittenten sorgen. In normalen Zeiten rentieren kürzer laufende Papiere erheblich niedriger als Bonds mit langen Laufzeiten. „Die Anleger schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls Griechenlands noch immer als hoch ein“, sagt Völker. Wenn zwei bis drei Jahre ohne Zahlungsausfall überstanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es später dazu kommt, deutlich geringer, erklärt Völker die Risikoeinschätzung der Anleger. „Auch wenn ich selbst nicht mit einem Bankrott Griechenlands rechne: Die annähernd gleichen Renditen für griechische Anleihen unterschiedlicher Laufzeit zeigen, dass viele Marktteilnehmer einen Staatsbankrott durchaus in Betracht ziehen“, sagt Birgit Figge, Rentenanalystin bei der DZ Bank.
Nach Auffassung von Beobachtern dürften die Sorgen um Griechenland im Jahresverlauf nachlassen – im Extremfall nach einer Rettung des Landes. Dann sollten die Renditen deutlich sinken, besonders stark bei den kürzeren Laufzeiten. Die Folge wäre ein gleichzeitiger Anstieg der Bondkurse. Nach LBBW-Berechnungen ergeben sich die besten Gewinnchancen – aus Kurssteigerungen und Kuponzahlungen – bei Laufzeiten zwischen zwei und vier Jahren: Bis Jahresende wären jetzt noch gut acht Prozent drin.
Quelle: ftd
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