02.03.2010
Refinanzierungsbedarf: Bis April muss Griechenland 20 Milliarden Euro aufnehmen.
Refinanzierungsbedarf: Bis April muss Griechenland 20 Milliarden Euro aufnehmen.
Foto: Getty

Schuldenkrise

Griechen lassen Anleihemarkt zappeln

Spätestens in zwei Wochen muss das Land Milliarden am Kapitalmarkt aufnehmen. Insgesamt sind es dieses Jahr 50 Milliarden Euro. Doch der neue Schuldenmanager spielt auf Zeit. Dahinter steckt finanztechnisches Kalkül – und politisches.

Griechenland lässt sich mit Anleihenemissionen Zeit. Man stehe nicht unter Druck und werde ein gutes Marktumfeld abwarten, sagte der neue Schuldenmanager des Landes, Petros Christodoulou am Dienstag. "Wir müssen den Kapitalmarkt nicht sofort anzapfen. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht tun werden. Wir werden dann aktiv werden, sobald die Bedingungen für unser Land und unsere Investoren günstig sind", sagte Christodoulou.

Seit Tagen spekulieren Beobachter darauf, wann das hochverschuldete Griechenland Anleihen im Umfang von 5 Milliarden Euro platziert. Ursprünglich wurde der Emissionstermin in dieser Woche erwartet. Die Äußerungen des obersten Schuldenmanagers Athens deuten nun daraufhin, dass es noch dauern könnte.

Dahinter könnte auch politisches Kalkül stecken. Ein möglicher Grund: Athen könnte durch sein Zögern der EU bei seinen Sparplänen Konzessionen abringen. "Das ist ein bisschen wie ein Spiel. Die Griechen könnten warten, dann über Geldnöte klagen und der EU Hilfen abtrotzen", sagte Ignis-Fondsmanager Stuart Thomson, Fondsmanager bei Ignis Asset Management. "Sie spielen Katz' und Maus."

Der Refinanzierungsbedarf der Griechen ist gewaltig. Allein bis April muss das Land 20 Milliarden Euro aufnehmen, im Gesamtjahr liegt der Refinanzierungsbedarf bei über 50 Milliarden Euro. Allein auf April und Mai entfallen davon 16 Milliarden Euro. Laut Premierminister Giorgios Papandreou reichen die Mittel bis Mitte März aus. Man wolle zu einer möglichst niedrigen Rate das Kapital aufnehmen, sagte Papandreou unlängst.

Der Trend gibt Christodoulou bisher Recht: Die Risikoaufschläge sinken. Spekulationen auf finanzielle Unterstützung für Griechenland ließen die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall griechischer Staatsanleihen am Dienstag weiter zurückgehen. Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf fünfjährige Papiere fielen laut dem Datendienstleister CMA Datavision auf 310 Basispunkte, nachdem sie am Montag bei 344 geschlossen hatten.

Damit kostete es am Dienstag, 310.000 Euro, griechische Staatsanleihen im Wert von 10 Millionen Euro ein Jahr lang zu versichern. Der Risikoaufschlag für griechische Bonds im Vergleich zu Bundespapieren engte sich zeitweise auf 294 Basispunkte ein - und war damit so gering wie seit Mitte Februar nicht mehr.

Taxifahrer und Gewerkschaften protestieren

Die Europäische Kommission bekräftigte, Griechenland müsse zusätzliche Sparanstrengungen beschließen. Entsprechende Ankündigungen in den kommenden Tagen "werden uns eine klare Vorstellung von der Lücke geben", die noch geschlossen werden müsse, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Athen will das Budgetdefizit in diesem Jahr von 12,7 auf 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. EU-Partner, die Kommission sowie Investoren sind bisher nicht überzeugt, dass die Sparpläne ausreichen. Weitere Einschnitte dürften allerdings die Konflikte mit der Bevölkerung verschärfen.

Die größte Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, Adedy, rief für den 16. März zu einem erneuten 24-Stunden-Streik auf. Taxifahrer protestierten am Dienstag gegen striktere Steuerregelungen. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein Generalstreik das Land lahmgelegt.


Quelle: ftd.de
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