Der Kursverfall des britischen Pfunds setzt sich ungebremst fort. Bereits den sechsten Tag in Folge verlor die Währung gegenüber dem amerikanischen Dollar. Am Dienstag gab das Pfund 0,6 Prozent ab und fiel auf 1,4909 Dollar. Am Montag hatte es noch bei 1,4991 Dollar notiert. "Sterling steht noch immer unter der Knute des Kapitalmarkts", sagte Simon Derrick, Leiter Währungsstrategie bei Bank of New York Mellon. "Der Abwärtstrend wird sich fortsetzen."
Gegenüber dem Euro fiel das britische Pfund weniger stark. In den vergangenen zehn Tagen gab es 3,8 Prozent ab. Am Dienstag fiel es um 0,1 Prozent auf 1,1046 Euro. Die Pfund-Skepsis findet auch Wiederhall an den Anleihemärkten, die Kurse fallen. Die Rendite auf zweijährige britische Staatsanleihen kletterte im Gegenzug um zwei Basispunkte auf 1,01 Prozent.
Schon seit Monaten baut sich im Kapitalmarkt eine negative Stimmung gegenüber dem Pfund auf. Die Netto-Verkaufspositionen bei der britischen Währung kletterten in der vergangenen Woche laut der US-Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission an der Terminbörse Chicago von 56.100 auf 62.900 Kontrakten. Das Volumen der Short-Position - damit wetten Spekulanten auf fallende Notierungen - ist unter den größten Weltwährungen nur beim Euro höher. Dort beträgt es 71.600 Kontrakte. Die Gemeinschaftswährung verliert wegen der Krise um Griechenland.
Aktueller Anlass ist eine Wahlumfrage, die den bisher sicher geglaubten Sieg der konservativen Tories infrage stellt. Laut den Wahlforschern von Yougov, veröffentlicht in der "Sunday Times", schmilzt der Vorsprung der Konservativen vor der Labour-Regierung von Premierminister Gordon Brown. Demnach liegen die Tories um David Cameron nur noch zwei Prozentpunkte vor den Amtsinhabern.
Laut Yougov ist es nicht auszuschließen, dass es im Parlament zu einer Pattsituation kommt. In Großbritannien wird der Premier nicht vom Parlament gewählt, sondern die Queen bestimmt den Vorsitzenden der stärksten Partei zum Regierungschef, auch wenn dieser nicht über eine absolute Mehrheit im Unterhaus verfügt. "Ein solches politisches Szenario ist 2010 eines der entscheidenden Risiken", schrieben die Währungsstrategen von Barclays Capital in einem Researchbericht. "Kurzfristig besteht Abschwächungspotenzial."
"Die jüngsten Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass es bei den nächsten Wahlen zu einer Minderheitsregierung kommen könnte. Das belastet die Währung, da in diesem Fall notwendige Reformen wohl kaum zügig durchgesetzt werden könnten", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Sollte eine Rettung Griechenlands näher rücken, ist nicht auszuschließen, dass Großbritannien zunehmend in den Fokus des Marktes gerät. Wir würden deshalb zunächst von Kaufpositionen beim Pfund absehen", sagte Leuchtmann.






























