16.08.2010
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Der Aufschwung der Branche steht auf wackligen Beinen
Der Aufschwung der Branche steht auf wackligen Beinen
Foto: dpa
Investor-Artikel

Zyklische Aktien

Aufschwung beflügelt Elektroindustrie

von Franz von den Driesch

2009 wird den Managern der Elektroindustrie als Horrorjahr in Erinnerung bleiben. Nun erholt sich der Schlüsselsektor rasend schnell vom Konjunktureinbruch. Wir zeigen, welche Aktien Potenzial haben.

Kaum eine andere Branche ist so eng mit allen übrigen Wirtschaftsbereichen verwoben wie die Elektronik- und Elektrotechnikindustrie. Entsprechend deutlich hat dieser Schlüsselsektor die Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren bekommen – und profitiert jetzt von der unerwartet starken Konjunkturerholung. Mit Aktien ausgewählter Unternehmen können Anleger darauf setzen, dass der Aufwärtstrend intakt bleibt.

2009 wird den Managern der Elektroindustrie als Horrorjahr in Erinnerung bleiben. Die Produktion in Deutschland brach gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent ein und damit so stark wie nie zuvor. Weltweit schrumpfte das Volumen des Elektromarkts um immerhin fünf Prozent. Die jüngsten Zahlen des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) signalisieren jedoch, dass die Branche das Schlimmste überstanden hat – zumindest auf den ersten Blick. So prognostiziert der ZVEI, dass der weltweite Elektromarkt vor allem dank der wachstumsstarken Schwellenstaaten sowohl 2010 als auch 2011 um jeweils sechs Prozent wachsen wird.

Auch in Deutschland geht es mit der sehr heterogenen Branche, die rund 76 Prozent der Umsätze mit Investitions- und Industriegütern und jeweils zwölf Prozent der Erlöse mit Gebrauchs- sowie Vorleistungsgütern in Form elektronischer Bauelemente erzielt, bergauf. Im Juli kletterte die Kapazitätsauslastung auf 86 Prozent und liegt damit über dem langfristigen Durchschnitt von 83 Prozent. Auftragseingang, Umsatz, Produktion – egal auf welche Zahl man schaut, der Trend weist nach oben. „Bei Umsatz und Produktion hat die Elektroindustrie inzwischen mehr als ein Drittel ihres 2009er-Verlusts wieder aufgeholt“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

Ob die Branche schon wieder auf den langjährigen Wachstumspfad zurückgekehrt ist, bleibt jedoch abzuwarten. Die jüngsten Konjunkturdaten nähren die Befürchtung, dass der globale Wirtschaftsmotor wieder an Fahrt verliert. Die Euro-Staaten legen ein Sparprogramm nach dem nächsten auf, viele Konjunkturhilfen laufen aus, und US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnet die Wirtschaftsaussichten der Vereinigten Staaten als „außergewöhnlich unsicher“. Gute Nachrichten hören sich anders an, zumal die USA nach Frankreich das zweitwichtigste Exportland der deutschen Elektroindustrie sind.

Dass der Aufschwung des Sektors auf wackligen Beinen steht, signalisieren auch die jüngsten Entwicklungen der Branche. Gegenüber dem Vormonat schrumpften die Erlöse in Deutschland im Juli um zwei Prozent, während die Produktion um ein Prozent nachgab.

Philipp Ehmer, Branchenanalyst der Deutschen Bank, möchte jedoch nicht zu sehr schwarzmalen: „Nach den zuletzt starken Zuwachsraten ist dieser Rückgang zu verkraften – und kein Anzeichen einer erneuten anhaltenden Wachstumsschwäche“, sagt er. Die langfristigen Wachstumsaussichten seien nach wie vor gut. Bis 2020 rechnet Ehmer mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich drei bis vier Prozent. Er verweist auf die Trends Gesundheit, Infrastruktur, Energieeffizienz und Mobilität, deren Herausforderungen seiner Meinung nach ohne die Elektrobranche gar nicht zu bewältigen wären. Immer wichtiger werden dabei die Schwellenländer, die bei Industrieanlagen und Infrastruktur einen enormen Nachholbedarf haben. „Vor allem Unternehmen, die ihren Fokus auf die Sparten Energietechnik und Automation legen und somit jene Produkte anbieten, die beim Aufbau von Industrien besonders dringend benötigt werden, haben daher gute Wachstumschancen“, sagt Ehmer.


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