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24.09.2010
Insiderhandel ist nur sehr schwer nachweisbar
Insiderhandel ist nur sehr schwer nachweisbar
Foto: reuters
Investor-Artikel

Wirecard-Affäre

Großrazzia gegen Anlagebetrüger

von Christian Kirchner, Sven Clausen

2008 warnte der Kleinanlegerverband SdK vor bestimmten Aktien - während Funktionäre parallel auf fallende Kurse wetteten. In diesem Zusammenhang durchsuchten Ermittler 48 Büro- und Privaträume auch bei der SdK. Drei Verdächtige sind in Haft.

Die Staatsanwaltschaft München hat nach über zweijährigen Ermittlungen den bisher größten Schlag gegen den organisierten Aktienbetrug in Deutschland geführt. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) durchsuchten Ermittler bereits am Dienstag insgesamt 48 Büro- und Privaträume vor allem in Süddeutschland und Österreich - darunter pikanterweise auch die Büroräume der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München.

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Die Strafverfolger ermitteln gegen insgesamt 31 Verdächtige wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandel. Dabei geht es um Aktien von 20 verschiedenen Gesellschaften. Drei Beschuldigte kamen auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Auch die Finanzaufsicht BaFin ist seit Monaten in die Ermittlungen eingebunden.

Nach FTD-Informationen stehen die Ermittlungen und Verhaftungen in Zusammenhang mit der Wirecard-Affäre im Sommer 2008. Der damalige SdK-Sprecher Markus Straub hatte dem im Aktienindex TecDAX notierten Bezahldienstleister öffentlich Bilanzmanipulation vorgeworfen, während er und verschiedene andere Personen privat auf fallende Kurse der Aktie wetteten.

Inzwischen haben sich sowohl der Kreis der Beschuldigten als auch die Zahl der mutmaßlich manipulierten Aktien auf insgesamt 20 deutlich ausgeweitet. Im Fokus der Ermittlungen steht der organisierte Betrug mit sogenannten Penny-Stocks aus Nordamerika. Bei dieser Masche kaufen Betrüger für Kleinstbeträge wertlose Firmenmäntel auf, von denen es in den USA und Kanada Tausende gibt. Selten kosten diese mehr als 5000 Euro, weil Aktien teilweise nur für Bruchteile von Cent gehandelt werden.

Anschließend werden die Aktien umbenannt und im völlig unregulierten Freihandel der Frankfurter Börse zugelassen. Der Kurs wird mithilfe einer eigens gestalteten Internetpräsenz der Firma, windiger Börsenbriefe und Einträgen in Börsenforen in die Höhe getrieben - bis die Betrüger Kasse machen. Angesichts der zu Minipreisen erworbenen Papiere können die Kriminellen ihren Einsatz so bei überschaubaren Kosten verhundertfachen.

Bislang hatten die Strafverfolgungsbehörden kaum eine Handhabe gegen dieses Vorgehen. Marktmanipulation ist schwer nachzuweisen. Aktienempfehlungen in Börsenbriefen und -foren sind meist durch die Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt. Beschuldigte können sich darauf berufen, die Aktien selbst für eine werthaltige Anlage gehalten und beim Verkauf keine Informationen gehabt zu haben, dass es sich um wertlose Hüllen handelt.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Razzia und die Verhaftungen, wollte sich jedoch zu den Beschuldigten nicht äußern. Der SdK-Vorstandsvorsitzende Klaus Schneider räumte ein, dass die SdK-Geschäftsräume in München durchsucht wurden, stritt jedoch ab, dass gegen Organe des Vereins ermittelt werde. Informationen der FTD, wonach Straub zu den Inhaftierten gehört, bestätigten weder die Staatsanwaltschaft noch die SdK. Er selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Es sind nicht die ersten Ermittlungen dieser Art: Bereits Ende Juli 2008 hatte die Staatsanwaltschaft München die Geschäftsstelle der SdK wegen des Verdachts der Kursmanipulation und des Insiderhandels durchsucht. Da der damalige SdK-Sprecher Straub bereits im Zusammenhang mit der Wirecard-Affäre 2008 von seinem Amt zurücktrat, liegt die Vermutung nahe, dass sich die Ermittler nun auch noch gegen andere SdK-Organe richten.


Quelle: ftd
© 2010 capital.de

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