Propheten unter sich.
Jetzt können wir es uns ja aussuchen,
wem wir glauben wollen.
Es ist doch so, wie es im "Hobellied" heißt:
"Da streiten sich die Leut herum,
um den Wert des Glücks.
Und Einer hoaßt den Andern dumm-
und z´letzt woaß koaner nix".
Herr Leuschel, Herr Otte, sollen Anleger sich derzeit am Aktienmarkt engagieren?
Roland Leuschel: Ja, aber nur zu einem kleinen Teil.
Max Otte: Das Streitgespräch fängt ja gut an. Ich finde, dass man auf jeden Fall engagiert sein sollte. So begeistert wie Anfang 2009 bin ich nicht mehr, aber ich bin noch deutlich übergewichtet in Aktien. Konkret bin ich zu sieben Prozent in Gold engagiert, der Rest liegt in Aktien.
93 Prozent Aktienquote - Herr Leuschel, da muss es Sie doch schütteln. Was raten Sie Investoren wie Herrn Otte, damit sie von diesem Irrweg abkommen?
ist BWL-Professor an der FH Worms und leitet das Institut für Vermögensentwicklung. Der Autor des Bestsellers "Der Crash kommt" setzt auch in Krisenzeiten konsequent auf Aktien.
Leuschel: Ich bin 2003 mit 25 Prozent in Gold gegangen gemäß der Empfehlung meines - mit Claus Vogt geschriebenen - Buches "Das Greenspan Dossier". Der Anteil ist inzwischen auf fast 70 Prozent gewachsen allein durch den Preisanstieg bei Gold.
Otte: Super Timing, alle Achtung. Aber jetzt ist Gold doch teurer geworden, da müssten Sie den Anteil doch ein bisschen herunterfahren.
Leuschel: Im Prinzip haben Sie recht. Im Grunde muss man jedem Anleger den Rat geben, sein Vermögen zu streuen. 25 Prozent in physischem Gold zu haben war von allen Theorien her schon völlig falsch. Noch ein Zweites: Sie haben 93 Prozent in Aktien, ich 20 Prozent - bei mir steckt das Geld aber kaum in einzelnen Aktien, sondern in Indexfonds. Es ist für mich und andere Privatanleger zu zeitaufwendig und kompliziert, ein Unternehmen zu analysieren und eine passende Aktie herauszufinden. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass ich durch Indexfonds das Risiko einer Bank einschalte.
Otte: Auf Indizes zu setzen halte ich für falsch. Sie werden ja auch keinen Goldindexfonds besitzen, sondern haben die Barren im Safe liegen.
Leuschel: Keineswegs. Ich besitze auch einige Papiere mit Hebelwirkung bei Gold und Silber. Außerdem habe ich mein physisches Gold geografisch gestreut.
Otte: 70 Prozent, und dann noch mit Hebel - ich weiß nicht. Gold ist für mich die Versicherung im Falle eines totalen Zusammenbruchs, der nicht komplett ausgeschlossen ist. Wertpapiere nützen da wenig. Grundsätzlich sollte man nach dem Reinheitsgebot investieren und besser einzelne Zutaten nehmen als eine Mixtur. Und ein Index besteht immer aus teuren und billigen Titeln. Also nehmen Sie die billigen Titel und nicht die teuren.
Und zu welchen Aktien raten Sie derzeit?
Otte:
Novartis,
GlaxoSmithKline,
Total,
BP - was will man da verkehrt machen? Im Dax halte ich
Allianz für leicht unterbewertet und
BASF für fair bewertet. Mein ganz spezieller Tipp ist
Rhön-Klinikum. Die sind nicht billig, haben aber ein Geschäft, das berechenbar wächst. Zehn bis zwölf Prozent Rendite jährlich sind da locker drin.
Praktiker sind auch einen Blick wert. Klar ist es eine harte Branche, aber Praktiker hatte selbst in der Krise nur fünf Prozent Umsatzminus. Da ist beim jetzigen Stand ein Kurspotenzial von rund 80 bis 100 Prozent drin.
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