02.09.2009
Während eine Reihe großer Banken wie Goldman Sachs wieder Gewinne schreiben, leiden die kleinen Institute weiter.
Während eine Reihe großer Banken wie Goldman Sachs wieder Gewinne schreiben, leiden die kleinen Institute weiter.
Foto: dpa-PA

Sorge um Finanzinstitute

Angstbarometer signalisiert Furcht vor Bankencrashs

von Christine Mai (Frankfurt)

Angesichts freundlicher Konjunkturdaten setzen Optimisten auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft. Unter Investoren wächst hingegen die Skepsis - das Angstbarometer VIX schießt in die Höhe. Nervös beäugen Anleger den Bankensektor.

An den Finanzmärkten setzt sich die Nervosität fest. Das Angstbarometer Vix, der Index für an der Chicago Board Options Exchange gehandelte Optionen, kletterte am Dienstag um zwölf Prozent auf 29,15 Zähler. Es hat damit den höchsten Stand seit Anfang Juli erreicht. Hintergrund sind vor allem neue Sorgen um die Banken.

Seit März setzen Investoren auf eine Erholung der Weltwirtschaft und des Bankensystems. Weltweit zogen die Börsen an, Investoren setzten wieder auf riskantere Investments wie Schwellenländer. Nun sind Zweifel aufgekommen. Erst am Dienstag fiel der S&P 500 unter 1000 Zähler, wobei Geldhäuser mit einem Minus von 5,3 Prozent stärker verloren als alle anderen Branchen. Seit Anfang März hatte der Index um 50 Prozent zugelegt. Auch etwa in China wächst nach einer Börsenrally die Skepsis.

Obwohl sich positive Konjunkturdaten zuletzt mehrten, warnen Kritiker vor Rückschlägen, weil sich etwa der US-Häusermarkt noch nicht erholt hat und den Instituten hohe Belastungen aus faulen Krediten drohen. Hinzu kommt, dass die sich abzeichnende Besserung zum großen Teil auf milliardenschweren Hilfsprogrammen der Regierungen weltweit beruht.

"Die Leute sind nervös und versuchen sicherzustellen, dass sie geschützt sind", sagte Jeremy Wien, ein VIX-Optionen-Händler bei Société Générale, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Index misst die Kosten für die Absicherung gegen Kursverluste im S&P 500. "Die Zukunft der Banken ist nicht so unklar, wie sie es vor zwei Quartalen war, aber sie ist immer noch nicht klar", sagte Don Wordell, Fondsmanager bei Ridgeworth.

Während eine Reihe großer Banken wie Goldman Sachs, JP Morgan Chase und die Deutsche Bank wieder hohe Gewinne schreiben, leiden viele, insbesondere kleinere Institute weiter unter der Krise. Die US-Aufsichtsbehörden haben in diesem Jahr bisher 81 Banken geschlossen - so viele wie seit 17 Jahren nicht mehr.

Nach jüngsten Angaben der Einlagensicherung FDIC ist die Zahl der Problembanken im zweiten Quartal drastisch angestiegen: Die Behörde hat nun 416 Banken und Sparkassen auf ihrer Beobachtungsliste und damit 111 mehr als im ersten Vierteljahr.

Warnung vor weiteren Pleiten

Hintergrund ist die schwache Geschäftsentwicklung: Nachdem die Branche im ersten Quartal einen Gewinn von insgesamt 7,6 Milliarden Dollar verzeichnen konnte, fiel bei den US-Banken laut FDIC im zweiten Quartal wieder ein Verlust von 3,7 Milliarden Dollar an. Vor allem der Anstieg an faulen Krediten und Wertberichtungen von Finanzanlagen machten den Instituten zu schaffen.

"Wir erwarten dass die Zahl der Problembanken und Zusammenbrüche weiter zunimmt, auch wenn sich die Wirtschaft allmählich erholt", warnte FDIC-Chefin Sheila Bair vergangene Woche.


Quelle: ftd.de
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