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10.01.2012

Foto: Getty
Investor-Artikel

Schwaches US-Geschäft

Software-Aktie bricht dramatisch ein

Der deutsche Softwareentwickler verfehlt seine hochgesteckten Jahresziele. Umsatz und Gewinn stagnieren - das Papier des Unternehmens verliert zeitweise mehr als ein Viertel seines Wertes.

Software AG hat nach einem schwachen US-Geschäft zum Jahresende ihre Umsatz- und Gewinnziele verfehlt. Die Anleger reagierten geschockt. Der Gesamtumsatz liege 2011 mit knapp 1,1 Mrd. Euro währungsbereinigt nur auf Vorjahresniveau, teilte der zweitgrößte deutsche Software-Konzern am Dienstag mit. Ende Oktober hatte der Vorstand noch einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von zwei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt.

Der Gewinn nach Steuern sollte um zehn bis 15 Prozent zulegen, nun wird er wohl nur den Vorjahreswert von 175,6 Mio. Euro ereichen. Sowohl im traditionellen Kerngeschäft mit Software zum Datenmanagement (ETS), in dem die Firma unter anderem mit dem weltgrößten IT-Dienstleister IBM konkurriert, als auch im Bereich Produkte zur Optimierung von Geschäftsprozessen (BPE) lief das Geschäft deutlich schwächer als zuletzt erwartet.

Anleger reagierten enttäuscht auf die überraschend veröffentlichten Zahlen. Die im Technologieindex TecDAX notierte Aktie brach in der Spitze um bis zu 26 Prozent auf 22,46 Euro ein und verbuchte damit den drittgrößten Kurssturz der Unternehmensgeschichte. Im Sog verloren auch die Papiere des Weltmarkführers für Unternehmens-Software, SAP. Die Anteilsscheine waren mit einem Minus von mehr als zwei Prozent einer der wenigen Verlierer im DAX. SAP will am 25. Januar vorläufige Ergebnisse für das vergangene Geschäftsjahr veröffentlichen. Der wesentlich größere Konkurrent aus Walldorf traut sich früheren Angaben zufolge für 2011 erneut einen Verkaufsrekord zu.

Bereits im zweiten Quartal 2011 hatte Software AG die Anleger mit unerwartet schwachen Zahlen verschreckt. Damals war vor allem der Lizenzvertrieb in Europa deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nun ist das US-Geschäft das neue Sorgenkind des Vorstands. Das vierte Quartal ist gewöhnlich in der Software-Industrie das umsatz- und gewinnträchtigste. Im Geschäftsbereich BPE musste der Konzern in den USA jedoch einen "signifikanten" Umsatzrückgang hinnehmen. Da half auch ein Anstieg der Lizenzumsätze im deutschsprachigen Raum und der Region EMEA von rund 40 Prozent nicht weiter, so dass die Gesamterlöse in dem Bereich auf Vorjahresniveau stagnierten.

Vorstandschef Karl-Heinz Streibich sagte, sein Unternehgmen habe in den USA Nachteile bei der Auftragsvergabe der öffentlichen Hand. Dem wolle er nun mit der Gründung einer unabhängigen Unternehmenseinheit entgegensteuern, die nach US-Recht aufgestellt ist. Zudem solle das Managementteam in den USA gestärkt und die Präsenz an der US-Westküste im Silicon Valley ausgebaut werden. Der Vorstand verspricht sich davon schon im laufenden Jahr positive Impulse.

Zu schaffen machte dem Darmstädter Konzern auch, dass im Geschäftsbereich ETS der saisonübliche Umsatzschub im letzten Jahresviertel ausblieb. Der Vorstand geht davon aus, dass die prognostizierte Konjunkturabschwächung dazu geführt hat, dass Kunden ihre Restbudgets anders als sonst nicht in Kapazitätserweiterungen investiert haben. Im vierten Quartal erzielte Software AG nach vorläufigen Zahlen insgesamt einen Umsatz von etwa 290 bis 295 Mio. Euro - ein währungsbereinigtes Minus von bis zu zehn Prozent binnen Jahresfrist. Der Lizenzumsatz liegt mit 90 bis 95 Mio. Euro sogar um bis zu 27 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Gewinn nach Steuern fiel auf 45 bis 50 (Vorjahreszeitraum: 64,7) Mio. Euro. Die vollständigen Geschäftszahlen sollen am 24. Januar veröffentlicht werden.


Quelle: Reuters
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