Nach dem "Flash Crash" vom 6. Mai erwägt die US-Börsenaufsicht SEC weitreichende neue Regeln für den Aktienhandel. Neben dem umstrittenen Hochfrequenzhandel hat die Behörde dabei auch sogenannte Dark Pools im Visier, über die Großanleger Aktien in enormer Stückzahl anonym handeln können.
SEC-Chefin Mary Schapiro sandte am Dienstagabend das bisher klarste Signal, dass die Aufsicht eine grundlegende Reform der Vorgaben ins Auge gefasst hat, die noch aus der Zeit vor der massiven Verbreitung des Hochfrequenzhandels stammen. "Einige könnten argumentieren, dass der 6. Mai eine Anomalie war, eine Verkettung unglücklicher Umstände, und dass die Märkte sich nun, da es vorbei ist, auf natürliche Weise angepasst haben, so dass kein Bedarf an einer umfassenden Überarbeitung unserer Marktsstruktur besteht", sagte Schapiro. "Ich bin anderer Meinung."
Am 6. Mai verlor der Dow Jones Industrial Average innerhalb von Minuten rund 1000 Punkte - die genauen Ursachen sind bisher unklar. Aufseher und Marktbetreiber untersuchen den Vorfall, die SEC will in diesem Monat einen Bericht zu dem Vorfall veröffentlichen.
Der "Flash Crash" hat die ohnehin umstrittenen Hochfrequenzhändler noch stärker in den Fokus gerückt. Sie arbeiten mit superschnellen Computern und komplexen Algorithmen. Deshalb wird diese Art des Handels auch als Algo-Trading bezeichnet. Geschätzte 60 Prozent des Handelsvolumens in den USA entfallen mittlerweile auf den Hochfrequenzhandel.
Kritiker fürchten, dass die Systeme außer Kontrolle geraten und so Börsenabstürze auslösen können, weil niemand mehr eingreifen kann, wenn geringe Verluste in winzigen Zeiträumen gigantische Verkaufsautomatismen auslösen. Auch im Zusammenhang mit dem Crash vom 6. Mai wird daher spekuliert, ob Hochfrequenzhändler eine Rolle gespielt haben.
Die SEC hat bereits mit der Einführung sogenannter Circuit Breaker reagiert, automatischen Handelsstopps bei extremen Kursauschlägen. Dies werde aber "wahrscheinlich nicht ausreichend" sein, sagte Schapiro.
Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, ein zeitliches Minimum vorzuschreiben, die An- und Verkaufsorders gültig bleiben müssen. Hintergrund ist die Tatsache, dass viele Hochfrequenzhändler bis zu 90 Prozent ihrer Orders laut Schapiro wieder absagen. Vor diesem Hintergrund untersuchten die SEC und andere Regulierer, ob hier Fälle von Betrug vorliegen. Ohne konkret zu werden, brachte die SEC-Chefin zudem Vorgaben ins Spiel, die Hochfrequenzhändler zwingen sollen, den Markt mit Liquidität zu versorgen. Auch auf Regeln, die sie davon abhalten würden, Preise aggressiv nach unten zu treiben, spielte sie an.
Auch mit Blick auf Dark Pools warf Schapiro Fragen auf. Die kurzfristigen Interessen einzelner Investoren dürften nicht auf Kosten der langfristigen Interessen der Gesamtheit der Anleger untergraben, indem die Preisfindungsfunktion der öffentlichen Märkte geschädigt würde. Institutionelle Investoren nutzen Dark Pools, wenn sie große Aktienpakete verkaufen und dabei sicherstellen wollen, dass das nicht zu extremen Preisbewegungen führt.
Quelle: ftd.de
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