Für die deutsche Immobilienbranche war am Mittwoch ein besonderer Tag: Mit
JK Wohnbau wagte sich zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder ein Immobilienkonzern an die Börse, wenn auch mit einem Marktwert von knapp 170 Mio. Euro ein kleiner. Das Debüt des Münchner Bauträgers für Wohnimmobilien darf jedoch als verhalten bezeichnet werden. Mit 7,90 Euro schloss die Aktie unterhalb ihres Ausgabepreises von 8 Euro.
Dass die Investoren nicht so überschwänglich reagierten, lag vielleicht an den Begleitumständen des Tages. Denn zeitgleich zum Börsendebüt legten mit Alstria Office,
Colonia Real Estate und
Patrizia gleich drei Branchenvertreter ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Und die Zahlen erinnern Anleger daran, dass die Lage auf dem Immobilienmarkt immer noch schwierig ist. Keine der drei Firmen legte für die ersten drei Quartale ein positives Konzernergebnis vor.
Den höchsten Nettoverlust weist mit 11,5 Mio. Euro
Alstria aus, ein Bestandshalter von Bürogebäuden und ebenjener Konzern, der im April 2007 als vorerst letzter der Branche in den Prime Standard der Deutschen Börse aufgenommen wurde. Das Minus resultiert jedoch ausschließlich aus einer Neubewertung von Zinsderivaten in Höhe von 33 Mio. Euro, was weder das operative Ergebnis noch das Eigenkapital belastet.
Ohne diesen Einmaleffekt stünde ein Nettogewinn von 20,7 Mio. Euro zu Buche. Denn operativ läuft es nicht so schlecht. Der Umsatz ging in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahr zwar um 12,8 Prozent auf 67,4 Mio. Euro zurück. Grund dafür ist jedoch der Verkauf von Gebäuden. Dank der daraus erzielten Erlöse und der im September vollzogenen Kapitalerhöhung verbesserte Alstria die Eigenkapitalquote auf 44,3 Prozent, die für den Status als börsennotierter Immobilienfonds (REIT) maßgebliche Quote stieg gar auf 47,4 Prozent. Alstria erfüllt damit die für einen REIT vorgeschriebene Mindestquote von 45 Prozent, die der Konzern bis Ende 2010 hätte erfüllen müssen.
Schlechte Nachrichten gibt es dagegen vom Wohnimmobilienkonzern Colonia. Das Kölner Unternehmen musste zum Abbau des im Branchenvergleich hohen Leerstands 10,6 Mio. Euro in den Bestand investieren und rutschte dadurch in die roten Zahlen. Unterm Strich steht nach drei Quartalen ein Verlust von 0,2 Mio. Euro zu Buche, nach einem Nettogewinn von 8,3 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Immerhin sind erste Erfolge der Modernisierungsmaßnahmen zu sehen. Der Leerstand sank seit Jahresbeginn von 13,6 auf 12,1 Prozent. Damit verbunden ist eine höhere Durchschnittsmiete, die von 4,59 Euro auf 4,64 Euro leicht anstieg. Bis Ende des Jahres will Colonia den Leerstand auf unter zwölf Prozent senken.
Für den Konkurrenten Patrizia spielt diese Kennzahl keine Rolle. Das Unternehmen sieht sich in erster Linie als Immobilienhändler, der auch gezielt Objekte mit Leerstand kauft und verkauft. Derzeit läuft das Privatisierungsgeschäft gut, dank der starken Nachfrage nach Wohnimmobilien. Bis Ende September hat der Konzern mit 605 Einheiten bereits 28 Prozent mehr verkauft als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten um 43 Prozent auf 221 Mio. Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich ebenfalls, nach Steuern bleibt jedoch ein Verlust.
Quelle: ftd
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