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02.02.2011
Chemiefirmen verzeichnen große Zuwächse
Chemiefirmen verzeichnen große Zuwächse
Foto: Getty
Investor-Artikel

Massive Produktionszuwächse

Gute Duftmischung beflügelt Chemiebranche

von Norbert Hofmann

Spezialchemiefirmen wie Symrise glänzen mit hohen Gewinnen und Wachstum. Das weckt zwar Begehrlichkeiten. Doch mit dem Schwung wird es nicht auf Dauer weitergehen.

Wann immer Wettbewerber die Geschäftszahlen des Düfte- und Aromaherstellers Symrise sehen, so kolportieren es die Gerüchteköche an der Börse, würden sie das Unternehmen sofort kaufen. Kein Wunder: Gewinnmargen von mehr als 20 Prozent, hohe Wachstumsraten und ein stabiler Absatzmarkt klingen verlockend. Dazu kommt die starke Stellung des Konzerns in den Schwellenländern, auf die heute schon fast die Hälfte des Umsatzes entfällt. Viele Gründe also, die den Kursanstieg 2010 erklären.

Symrise ist kein Einzelfall. Auch andere Spezialchemiefirmen sind in der Anlegergunst gestiegen. Selbst Branchenriesen wie BASF haben zuletzt solche Firmen übernommen, um sich von den Risiken des Massengeschäfts zu entlasten. "Sie schätzen es, dass die Spezialchemie oft bessere Margen und weniger zyklische Schwankungen bietet", sagt Heiko Feber, Analyst vom Bankhaus Lampe.

Beim Konzern Wacker Chemie etwa, der für 2010 Rekordgewinne gemeldet hat, ist vor allem das eng mit dem Bau von Solaranlagen verbundene Polysiliziumgeschäft bei Margen von über 50 Prozent hochprofitabel. Dank langfristiger Verträge mit festen Preisen ist zudem die Produktion bis Ende 2013 nahezu ausgelastet. Hinzu kommt: Der Konzern rangiert in den wichtigen Geschäftsbereichen weltweit unter den drei führenden Anbietern und muss wegen des kapitalintensiven Geschäfts kaum neue Wettbewerber fürchten. "Der große Risikofaktor bleibt jedoch die stark von der zyklischen Nachfrage aus der Halbleiterindustrie abhängigen Sparte Siltronic", sagt Feber.

Wacker hat wie viele andere kräftig vom Konjunkturaufschwung profitiert. Die chemische Industrie in Deutschland schaffte 2010 laut Branchenverband VCI mit einem Plus von elf Prozent den größten Produktionszuwachs seit 1976. In der Spezial- und Feinchemie lief es sogar noch besser, mit gleichem Schwung aber wird es wohl kaum weitergehen. "Umso wichtiger wird es nun, wie sich die regionalen Absatzmärkte und die Zielbranchen der Unternehmen entwickeln", sagt Jens Hasselmeier, Aktienanalyst bei Independent Research.

Der Chemiespezialist Lanxess scheint da nicht schlecht aufgestellt. Das Unternehmen profitiert von einer steigenden Nachfrage aus Asien und baut dort eigene Werke auf - in der Nähe seiner wichtigsten Abnehmer aus der Autoindustrie. Zusätzliche Impulse könnten in Europa ab 2012 die neuen EU-Vorschriften zur Energieeffizienz von Autoreifen bringen. Synthetischer Kautschuk von Lanxess wird dann bei der Herstellung von Reifen mit geringem Reibungswiderstand verstärkt gefragt sein. Dank seiner hohen Profitabilität gilt das Unternehmen nun sogar wieder als Übernahmekandidat. "Solche Spekulationen und die relativ moderate Bewertung könnten dem Aktienkurs bei einer anhaltend guten Konjunktur weiter Auftrieb geben", sagt Hasselmeier.

Doch auch Lanxess muss fürchten, dass steigende Rohstoffpreise auf die Gewinne drücken. Vom Boom profitieren Chemiefirmen nur, wenn sie steigende Einkaufspreise auf die Kunden abwälzen können. Das schafft der von hohen Materialkosten geprägte SDAX-Konzern SKW Metallurgie, der als Spezialist für Roheisenentschwefelung prächtig am Boom der Stahlindustrie partizipiert. Und es gilt ebenso für den Ölveredler Fuchs Petrolub, der dank des Booms in der Stahl- und Automobilindustrie steigende Umsätze meldet. "Das Unternehmen hat immer wieder bewiesen, dass es Preissteigerungen an die Kunden weitergeben kann", sagt Tobias Schmidt, Aktienanalyst bei Steubing Research.


Quelle: ftd
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