23.07.2010
 CAPITAL-SERIE Interview der Woche

Die Macher der Finanzszene stellen sich den Fragen der capital.de-Redaktion


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Fürs Foto den Anzug nagezogen: Fondsmanager Nigel Bolton erscheint sonst leger zur Arebit
Fürs Foto den Anzug nagezogen: Fondsmanager Nigel Bolton erscheint sonst leger zur Arebit
Foto: Börse Online/Wattie Cheung
Investor-Artikel

Interview

"Kühe sind nicht mein Ding"

von Sebastian Ertinger

Fondsmanager Nigel Bolton entdeckte schon als kleiner Junge seine Begeisterung für die Finanzmärkte. Im Interview verrät er seine ersten Investments, die aussichtsreichsten Aktien - und warum er sich keinen besseren Job vorstellen kann

Herr Bolton, Ihr Blackrock-Kollege Graham Birch hat seinen Job als Manager des Rohstofffonds aufgegeben und widmet sich nun auf ganz andere Weise den Rohstoffen - er hat einen Bauernhof aufgebaut. Wäre das auch etwas für Sie?

Nein, Kühe sind nicht so mein Ding. Die riechen ein bisschen streng. (lacht) Im Ernst: Es besteht keine Gefahr, dass ich mich zurückziehe. Ich bin einfach ein Aktienmann. Mich interessieren Firmen, ihr Geschäftsmodell und was das Management antreibt. In diesem Job treffe ich Menschen mit wahrem Unternehmergeist. Da sind die besten Geschäftsführer der Welt darunter, und es ist ein echtes Privileg, mit ihnen zu sprechen. Ich liebe den Job, und ich habe keinen Ehrgeiz, irgendetwas anderes zu machen.

Sie verwalten bei Blackrock den 2,6 Mrd.Euro schweren Fonds für europäische Aktien. Ist die Region angesichts der Schuldenkrise und wachsender Zweifel am Konjunkturaufschwung ein zu heißes Pflaster?

Ein spannendes, aber kein zu heißes Pflaster. Für Europas Peripheriestaaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien rechne ich jedoch mit einem deutlich schwächeren Wachstum. Diese Staaten hinken dem restlichen Europa auf mittlere bis lange Sicht hinterher.

Wie sieht es bei den anderen Ländern aus?

Die Kernstaaten wie Deutschland, Frankreich oder die Beneluxländer haben viel bessere Aussichten. Allerdings wird das Wachstum auf dem gesamten Kontinent in nächster Zeit gedämpft ausfallen.

Sie haben Großbritannien nicht erwähnt.

Stimmt. Mit vielen Problemen der Peripheriestaaten wie der hohen Staatsverschuldung kämpfen wir auch hier auf der Insel. Aber Großbritannien ist nicht Mitglied der Euro-Zone. Das stellt sich in diesem Fall mal als Vorteil heraus. Denn London kann grundsätzlich das Pfund abwerten, was ja 2008 und 2009 auch geschehen ist.

Nigel Bolton

ist in der Grafschaft Yorkshire in England geboren. Er schloss sein Writschaftsstudium 1985 an der Universität Nottingham ab und arbeitete bei verschiedenen Finanzhäusern als Investmentanalyst.

1992 wechselte er in die Vermögensverwaltung und leitete bei der Citigroup den Bereich für europäische Aktien. Die gleiche Anlageregion verantwortete er seit 2004 beim Pensionsfonds Scottish Widows in Edinburgh. Im Jahr 2008 wechselte Bolton zur Fondsgesellschaft Blackrock.

Wie hilft das der britischen Wirtschaft?

Eine Abwertung ist wie ein Überlaufven- til, das den Druck auf die Wirtschaft ableitet. Die Kostenbasis der Unternehmen sinkt im Vergleich zu Konkurrenten aus anderen Ländern. Die Firmen gewinnen wieder an Wettbewerbsfähigkeit. Die Möglichkeit einer Abwertung erachte ich als den entscheidenden Unterschied zu den Staaten am Rande Europas, die starr im Euro-System gefangen sind. Dank der Flexibilität der Wechselkurse wird sich die britische Wirtschaft schneller erholen.

Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien sollten die Währungsunion also besser verlassen?

Ich sehe einen Austritt von Staaten aus dem Euro-Raum schlichtweg nicht als gangbare Option an. Das wäre übrigens auch eine sehr schlechte Nachricht für Deutschland. Denn als große Exportnation profitiert das Land erheblich vom Euro-System und dem steigenden Konsum in den Randländern. Daher kommt es für Deutschland oder Frankreich wesentlich billiger, gestrauchelte Staaten wie Griechenland zu retten, als einen Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung zu riskieren.

Sie klingen im Großen und Ganzen nicht gerade optimistisch Europa betreffend.

Ganz im Gegenteil. Für die europäischen Unternehmen bin ich positiv gestimmt.

Woher nehmen Sie diese Zuversicht?

Die Firmen Europas profitieren von der starken Nachfrage aus den Schwellenländern wie China oder Indien und deren anhaltendem Wirtschaftswachstum. Besonders gut stehen natürlich Unternehmen mit einem hohen Exportanteil in diese Emerging Markets da. Nehmen wir zum Beispiel Luxusgütermanufakturen wie Swatch, LVMH, Bulgari oder auch PPR mit der Marke Gucci. Diese Unternehmen wer- den massive Wachstumsraten in Asien und besonders in China verzeichnen. Wir reden hier über Zuwächse von 30 bis 35 Prozent.


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