Sorry, aber wer ab 2013 von einer weltweiten Erholung der Märkte und Aktien ausgeht, der hat ganz viel nicht verstanden. In Bezug auf die Schwellenländer gebe ich Herrn Rethfeld Recht, aber mit absoluter Sicherheit nicht für die westlichen Industriestaaten. Die derzeitige Krise kann man mit keiner vorangegangener vergleichen. Und bis dato sehen wir erst einen ganz kleinen Teil, das dicke Ende kommt erst noch. Um diese Aussage zu begründen, benötige ich aber a bissl mehr Platz. Oder schauen Sie in meine Homepage unter der Rubrik „Geld“, da werden Sie geholfen. Einfach nach Siggi40 googeln, auf Platz 3 meine Homepage.
Herr Rethfeld, in welchem Sternzeichen sind Sie geboren?
Jungfrau.
Spielt das in Ihrem Leben irgendeine Rolle?
Nein, mit Astrologie befasse ich mich nicht.
Trotzdem achten Sie in Ihren Börsenanalysen auf Mondphasen und Sonnenflecken.
Ich bin ein Freund der Statistik. Die Zusammenhänge sind wissenschaftlich belegt. Die Universität Michigan hat die Kursentwicklung in verschiedenen Mondphasen untersucht. Um Neumond steigen die Aktienkurse im Schnitt, um Vollmond herum sinken sie. Auch 2009 fielen die Kurse oft um die Vollmondtage und zogen dann wieder kräftig an. Und was die Sonnenflecken betrifft: Fast alle US-Rezessionen seit 1900 wurden von einer hohen Anzahl Sonnenflecken begleitet. Ich kann nicht erklären, warum. Aber es ist so.
hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: 200 Jahre alte Börsendaten. Täglich beurteilt der Gründer des Onlinediensts Wellenreiter-Invest das Auf und Ab an den Finanzmärkten. Dazu analysiert er nicht nur historische Konjunkturzahlen und Kursreihen, sondern auch Mondphasen und Sonnenflecken. Der 47-Jährige stürzt sich auf alles, was statistisch nachweisbar ist. Früher arbeitete er als Internetberater und bei der Lufthansa. Doch dann kam der Dotcom-Crash und bescherte ihm Verluste. Seither widmet sich Rethfeld auch beruflich dem Treiben an den Börsen.
In Ihrem Börsenbrief schreiben Sie, "dass eine Trendumkehr häufig an Dienstagen erfolgt, gerade wenn der Freitag zuvor schwach war". Kann man die Börse wirklich nach so einfachen Mustern beurteilen?
Der Effekt heißt Turnaround Tuesday. An einem Dienstag treten häufiger untere Wendepunkte an der Börse auf als mittwochs oder donnerstags. Das ist nicht aus der Luft gegriffen, das hat der Dow Jones in den vergangenen 100 Jahren gezeigt. An den Finanzmärkten spielen wir immer mit Wahrscheinlichkeiten. Ob die Kurse steigen oder fallen, hängt von vielen Einflüssen ab. Wir versuchen, möglichst viele dieser Einflüsse zu berücksichtigen. Nicht nur die, die für jeden Volkswirt offensichtlich sind.
Das klingt nach Datentrickserei.
Daten manipulieren kann jeder. Auch ich. Schon mit der Wahl des Betrachtungszeitraums. Wenn man Aktien nur ab dem Jahr 2000 ansieht, sind sie kein gutes Investment. Über die vergangenen 200 Jahre waren sie dagegen ein hervorragendes Investment - auch inflationsbereinigt. Wir arbeiten immer mit so langfristigen Daten wie möglich. Das ist unsere Maxime. Wir haben Kurshistorien, die bis 1790 zurückgehen. Und wir walzen Themen wie Vollmond oder Turnaround Tuesday nicht aus. Es sind nur zwei Faktoren von 40 oder 50.
Welche Indikatoren sind für die Börsenprognose denn am wichtigsten?
Die Intermarket-Indikatoren zum Beispiel. Bevor man eine Aktienmarktprognose abgibt, muss man sich die Währungs-, Rohstoff- und Zinskurven ansehen. Man muss bedenken, ob die Wirtschaft gerade in einer Deflation oder Inflation steckt. Viel Beachtung schenken wir auch dem smarten Geld. Die starken Hände kaufen gern nach 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Wenn die Kurse in New York also um diese Zeit anziehen, ist das ein gutes Zeichen. Hinter jeder Marktbewegung steckt eine Aussage.

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