Das Karrierenetzwerk Xing hat große Pläne. Das bisherige Geschäftsmodell reicht Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck offenbar nicht mehr aus, der Manager sucht neue Erlösquellen. Dazu soll eine kostenpflichtige Suchfunktion zählen, die es Unternehmen erleichtern soll, passende Kandidaten für offene Stellen zu finden. Die Aktionäre dürften sich über neue Geldquellen freuen - und hoffen, dass sich diese positiv auf den Aktienkurs auswirken werden. Denn zuletzt legte
Xing einen Zickzackkurs aufs Parkett: Die Aktie sackte von ihrem 2011er-Jahreshoch von 66 Euro rasch wieder ab, derzeit liegt sie bei 43 Euro.
Vom Kursniveau her stand die Xing-Aktie zuletzt unter dem Strich besser da als viele andere Internettitel. Der wechselhafte Kursverlauf ist allerdings exemplarisch für den Sektor: Der Dow-Jones-Internet-Index fiel Mitte vorigen Jahres um rund 20 Prozent von 165 Punkten auf 132 Punkte und mäandert seitdem auf tiefem Niveau; derzeit steht er bei 143 Zählern. Bei anderen Technologieindizes mit hohem Anteil an Internetaktien sieht es nicht viel besser aus.
Auch das laufende Jahr dürfte durchwachsen werden, erwarten Experten. Und das nicht nur, weil das Umfeld für Aktien momentan generell schwierig ist. Die Margen der großen Internetfirmen seien unter Druck, weil die Unternehmen stark in neue Geschäftsfelder investierten, sagt Frederic Fayolle, Spezialist für Internetaktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Dazu zählten etwa neue Hardwareplattformen wie Smartphones und Tablet-PC oder auch neue elektronische Handelsangebote, im Fachjargon E-Commerce genannt. Darüber hinaus sehen Analysten aber auch das Geschäftsmodell einiger Internetunternehmen schwächeln.
Anleger müssen jetzt wählerisch sein. Während manche Titel wohl nur in einem Zwischentief stecken und langfristig durchaus Kursgewinne verheißen, sind die Aussichten für andere Aktien nach Ansicht von Experten nicht allzu rosig. "Es gibt im Internetsektor ein paar gute Gelegenheiten. Aber man muss die Spreu vom Weizen trennen", sagt Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Gute Chancen sieht sie zurzeit bei Karriere-Netzwerken wie Xing und Linkedin: "Sie profitieren vom Social-Media-Trend und sind zu günstigen Preisen zu haben." Xing weist für 2011 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23,3 auf, in diesem Jahr wird es Schätzungen zufolge bei 17,7 liegen. Auch dem US-Konkurrenten Linkedin prophezeien Experten für dieses Jahr ein deutlich verbessertes KGV dank steigender Gewinne.
Skeptisch zeigen sich Analysten bei Titeln wie dem Rabattportal Groupon. Das US-Unternehmen hat zwar jüngst eine viel beachtete Kooperation mit der Deutschen Telekom geschlossen. "Aber das Geschäftsmodell ist leicht zu kopieren", so Pauls. Darüber hinaus sei die
Groupon-Aktie teuer. Die Firma hat eine relativ hohe Marktkapitalisierung von 9 Mrd. Euro, erzielte im vorigen Jahr aber einen im Verhältnis dazu eher geringen Jahresumsatz von geschätzt 1,2 Mrd. Euro. Auch Browserspielehersteller wie Zynga sieht Pauls kritisch: Dort könnte sich eine Blase bilden.
Anleger machen es sich am leichtesten, wenn sie sich bei Internetaktien an die Titel namhafter Unternehmen wie Google und
Amazon halten. "Die großen Spieler sind jetzt relativ günstig zu haben und decken alle wichtigen Internettrends ab", sagt Fondsmanager Fayolle.
Google bemüht sich mit dem sozialen Netzwerk Google Plus auch um Social-Media-Nutzer. Amazon hat sich mit dem Lesegerät Kindle auf dem Markt für mobile Endgeräte etabliert. Kleinere Firmen sind vor allem als Beimischung interessant, so Fayolle. Etwa Firmen aus dem Feld E-Commerce, dem Experten ein besonders starkes Wachstum voraussagen - vor allem, weil Verbraucher nicht zuletzt dank Tablet-PC immer mehr Zeit im Internet verbringen. Anleger sollten allerdings darauf achten, Unternehmen aus Nischen zu wählen, die nicht ebenfalls bald von den Platzhirschen besetzt werden.
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