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11.08.2011

Foto: Getty
Investor-Artikel

Grüne Investments

Nachhaltig zurückhaltend

von Julia Groth

Anbieter grüner Investments sahen sich nach der Atomkatastrophe in Japan auf dem Vormarsch. Doch das Interesse der Anleger ist bislang kaum gestiegen.

Trotz des Reaktorunglücks in Fukushima im März bleibt ein Boom nachhaltiger Geldanlagen offenbar aus. Nur 31 Prozent der befragten Privatanleger fanden nachhaltige Investments in einer neuen Umfrage der genossenschaftlichen DZ-Bank-Tochter Union Investment attraktiv. Das ist sogar ein Prozentpunkt weniger als ein Jahr zuvor. Das Anlagehaus hat für die Umfrage 500 Privatanleger interviewt. Lediglich unter den ohnehin interessierten Investoren hat Fukushima offenbar die Prioritäten verschoben: 45 Prozent dieser Anleger schätzen ökologische Aspekte bei der Geldanlage wichtiger ein als soziale. Das sind drei Prozentpunkte mehr als vor dem Reaktorunfall. Insbesondere die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen legt danach großen Wert auf ökologische Faktoren bei der Geldanlage.

Ökologisch, ethisch und sozial korrekte Investments seien in der breiten Masse der Anleger schlichtweg noch zu unbekannt, erklärt das Investmenthaus das Umfrageergebnis. Zudem verunsichere die aktuelle Diskussion über die Energiewende in Deutschland die Investoren. Das trage zu deren Zurückhaltung bei. Noch ist nicht klar, welche Unternehmen langfristig vom Atomausstieg profitieren.

Auch institutionelle Investoren bleiben gegenüber Ökoinvestments zurückhaltend. Für 36 Prozent der Befragten in einer weiteren aktuellen Union-Investment-Umfrage spielt das Thema derzeit überhaupt keine Rolle. Lediglich Stiftungen geben sich sehr interessiert: Mit 73 Prozent ist die Quote nachhaltig verwalteter Anlagen in ihren Vermögen besonders hoch. Banken, Versicherer und Pensionskassen dagegen zeigen diesen Investments häufig die kalte Schulter. "Im Vergleich mit dem Ausland ist der Anteil nachhaltiger Investments bei diesen Investorengruppen niedrig", bestätigt Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment. Er erwartet allerdings, dass sich das ändert: "In Skandinavien, Großbritannien und den Beneluxländern gelten vor allem langfristig orientierte Anleger wie Pensionskassen als Treiber nachhaltiger Investmentkonzepte." Das dürfe mittelfristig auch in Deutschland der Fall sein. Schließlich nehme die gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas zu.

Investieren institutionelle Anleger ethisch, sozial und ökologisch korrekt, tun sie das in der Regel nicht aus Überzeugung. Der am häufigsten genannte Grund für nachhaltige Anlagen ist ein anderer: die Verbesserung des eigenen Images. Der zweithäufigste ist die steigende Kundennachfrage. Immerhin 58 Prozent der nachhaltig investierenden Großanleger verspricht sich von Ökoinvestments auch ein verbessertes Risiko-Rendite-Profil. Hohe Renditen erwarten viele institutionelle Investoren von den Investments dagegen offenbar nicht. Im Gegenteil: Wer sich von nachhaltigen Investments fernhält, tut das meist, weil er niedrigere Renditen fürchtet.

Aus den Ergebnissen der Umfrage unter 218 Großanlegern hat Union Investment einen Index erstellen lassen, der die Stimmung dieser Anleger gegenüber nachhaltigen Anlagen messen soll. Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 positionieren sie sich derzeit bei plus 22. Damit ist ihre Einstellung zwar positiv. Pessimistisch ausgedrückt allerdings nur knapp über "egal".

Öko-"AAA" ist auch futsch

Staatsanleihen

Die USA sind nicht nur bei der Ratingagentur Standard & Poor's in Ungnade gefallen - auch als grünes Investment taugen amerikanische Staatsanleihen nur bedingt. Zu diesem Ergebnis kommt das britische Analysehaus Eiris, das Staatsanleihen nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit bewertet. In der Liste landen die Vereinigten Staaten gerade mal auf Platz 34 von insgesamt 73 Ländern. Deutschland liegt auf Platz fünf. Anders als die Ratingagenturen haken die englischen Wissenschaftler für ihre Rangliste soziale und politische Faktoren ab, etwa das Ausmaß der Korruption oder die Bürgerrechte in einem Staat.

Das Argument für die Bewertungsmaßstäbe: Viele Aspekte, die im Ranking überprüft werden, hängen mit der wirtschaftlichen Stärke eines Staates zusammen. Zudem wolle man die Anleger mit Informationen versorgen, die auch bei ihren Anleiheinvestments auf Nachhaltigkeit achten, sagte ein Sprecher von Eiris der Financial Times. Dieser Bewertungsansatz treibt allerdings auch kuriose Blüten: Unter den insgesamt 60 gewichteten Indikatoren findet sich zum Beispiel auch Biodiversität als ein Kriterium - ein Punkt, bei dem der Zusammenhang mit der Bonität eines Staates nicht auf Anhieb ersichtlich ist. Auch die Gründe für den Punktabzug für die Vereinigten Staaten sind mannigfaltig: Zu wenig betriebliche Mitbestimmung für US-Arbeitnehmer ist ein Kritikpunkt, außerdem das Rechtssystem, das die Todesstrafe zulässt. Und die Tatsache, dass sich die USA beharrlich weigerten, das Kioto-Protokoll zu unterzeichnen, hilft dem Ökoimage des Staates auch nicht wirklich weiter. Während Amerika es immerhin ins Mittelfeld der Rangfolge schafft, sieht es gerade für viele Schwellenländer auf der Nachhaltigkeitsskala noch düsterer aus, weil sie bei Demokratisierung oder im Kampf gegen den Klimawandel schlecht abschneiden. Schlusslichter sind neben Pakistan China und Indien.


Quelle: ftd.de
© 2011 capital.de

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