Wenn das erste Quartal 2010 eine Gewinnerbranche kennt, dann ist es der Technologiesektor. Serienweise berichteten die Unternehmen über zweistellige Umsatz- und Gewinnzuwächse. So freute sich zum Beispiel der US-Netzwerkausrüster
Cisco Systems über das stärkste Quartal in seiner Geschichte. "Begeistert" zeigte sich auch
Apple-Chef Steve Jobs über den starken Jahresstart. Und selbst beim permanent zur Krise neigenden deutschen Halbleiterkonzern
Infineon blickt man nunmehr optimistisch in die Zukunft.
An den Börsen haben Anleger schon zeitig auf ein Comeback spekuliert. So legte der US-Hightech-Index Nasdaq 100 auf Zwölfmonatssicht um rund 37 Prozent zu, während der marktbreite
S&P 500 lediglich um 24 Prozent gestiegen ist. Auch in Deutschland lief der
TecDax dem
Dax lange Zeit voraus. Branchenkenner raten, weiterhin auf Technologieaktien zu setzen. Die Geschäftsperspektiven seien aussichtsreich, die Unternehmensbilanzen in einem guten Zustand und die Bewertungen der Aktien insgesamt attraktiv, so das Credo.
Tatsächlich steht der Sektor derzeit ganz gut da: Während andere Wirtschaftsbereiche immer noch über hohe Überkapazitäten klagen, haben die meisten Technologieunternehmen schon vor der Krise die Auslastung heruntergefahren. Gleichzeitig trifft eine anziehende Nachfrage auf niedrige Lagerbestände, was die Produktion ankurbelt. Davon profitieren derzeit insbesondere die Chiphersteller. Das US-Marktforschungsinstitut IDC erwartet, dass der weltweite Halbleiterumsatz in diesem Jahr um 16 bis 18 Prozent wachsen wird.
Ähnlich gute Aussichten bieten andere Hightech-Segmente. Stuart O'Gorman, Fondsmanager bei Henderson, vermutet in Unternehmen einen hohen Nachholbedarf bei IT-Investitionen: "In den vergangenen Jahren wurde bei der Informationstechnologie übereifrig gespart." Das Durchschnittsalter eines betrieblich genutzten Desktop-Computers, so O'Gorman, liege mittlerweile bei über sechs Jahren. Viele Geräte seien veraltet und ineffizient, sodass es mehr Sinn ergebe, neue Geräte zu kaufen, als die Kosten für Reparatur und Upgrades zu tragen.
Die Optimisten sehen nicht nur die Nachfrage der Unternehmen, sondern auch die der privaten Konsumenten steigen. Geld locker machen sie zum Beispiel für Apples Lesegerät iPad oder Microsofts neues Betriebssystem Windows 7. Auch der Trend zu Smartphones samt den dazugehörigen Applikationen könnte das Geschäft beleben. IDC schätzt, dass der weltweite Verkauf von Mobilfunkgeräten in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent zulegen wird.
Ein weiterer Punkt lässt Technologieunternehmen gut aussehen: Sie verfügen tendenziell über gesunde Bilanzen, typischerweise mit hohen Barbeständen und wenig Schulden. So beträgt der Anteil der Kasse an der Marktkapitalisierung bei den im S&P 500 vertretenen Technologietiteln im Schnitt neun Prozent - kein anderer Sektor kommt derzeit auf einen so hohen Wert. Die Mittelbestände bieten nicht nur einen gewissen Schutz vor Kursverlusten, sondern sorgen auch für Übernahmefantasie. Jüngstes Beispiel ist
SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern will für umgerechnet 4,6 Milliarden Euro den US-Datenbankspezialisten Sybase übernehmen. Die voranschreitende Konsolidierung hat einen positiven Nebeneffekt: In vielen Technologiebereichen nimmt der Wettbewerbsdruck ab - und die Gewinnmargen verbessern sich.































