Canberra friert, Melbourne bibbert, Sydney meldet Tagestemperaturen von vier Grad Celsius. Okay, in Australien ist zurzeit Winter. Aber so eisig wie Ende Juni war es seit 20 Jahren nicht mehr. Auch die Börse ist unterkühlt: Im ersten Halbjahr verlor der Aktienindex ASX All Ordinaries elf Prozent.
Deutsche Anleger, die von Gewinnen bei Down-Under-Aktien träumen, lässt dieser Verlust kalt. Wegen des frostigen Klimas, das dem Euro entgegenschlägt, blieben ihre Investments auf der Südhalbkugel unversehrt, Jean-Claude Trichet sei Dank. Zur Rettung Griechenlands brach der Chef der Europäischen Zentralbank Anfang Mai mit ehernen Prinzipien. Seither kauft die EZB Staatsanleihen von Schuldnern schlechter Qualität - wie derzeit die der Hellenen.
Für seine Entschlossenheit bezieht Trichet Prügel. "Ein Sündenfall", klagt Commerzbank-Experte Michael Schubert. Der Frust der Anleger entlädt sich am Devisenmarkt: In der ersten Jahreshälfte büßte der Euro im Vergleich zu den Währungen großer Industriestaaten im Schnitt zwölf Prozent ein. Am heftigsten ging er gegenüber dem japanischen Yen (minus 22 Prozent) und dem US-Dollar (minus 14 Prozent) in die Knie. Und eine nachhaltige Wende sieht kaum jemand. "Ich denke nicht, dass wir die Talsohle schon durchschritten haben", so Christian Reicherter, Devisenanalyst bei der DZ Bank. "Auf dem globalen Währungsteich ist der Euro das hässliche Entlein", ergänzt Victor Moftakhar, Investmentchef der Sparkassen-Fondstochter Deka.
Smarte Anleger ziehen ihren Nutzen daraus. Sie investieren in Aktien aus Ländern, deren Währungen gegenüber dem Euro stark bleiben - oder weiter zulegen können. Capital stellt vier aussichtsreiche Papiere vor, bei denen dank günstiger Ertragsperspektiven und einer gesunden Wirtschaft auf dem Heimatmarkt neben Kurs- obendrein Währungsgewinne locken.
Europas Unternehmen ist die Euro-Schwäche eigentlich sehr willkommen. Ihren Geschäften gibt die Weichwährung über die Exportseite gehörig Schwung. "Rund 36 Prozent ihrer Gewinne fahren die Firmen jenseits der EU-Grenze ein", erklärt Andrew Garthwaite. Rund neun Monate dauere es, bis der Euro-Effekt in den Erfolgsrechnungen positiv zu Buche schlägt - aber dann richtig: "Verliert der Euro zehn Prozent gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner, dann klettern die Überschüsse der Unternehmen um elf Prozent nach oben", hat der Fachmann von Credit Suisse anhand historischer Börsendaten errechnet. "Wir brauchen die alte Stärke des Euro eigentlich nicht", bestätigt Moftakhar.
Genau wie exportstarke Unternehmen haben auch europäische Anleger wenig Grund zur Klage. Erst recht solche, die auf Aktien in Fremdwährungen setzen. Obwohl nur wenige Börsen das erste Halbjahr im Plus beendeten, verdienten Aktienfans aus Deutschland infolge des taumelnden Euro Geld. Oder sie konnten, wie in Australien, Verluste durch Währungsgewinne mehr als ausgleichen. Das gilt auch für die Wall Street. Auf Dollar-Basis knickte der Leitindex S&P 500 bis zur Jahresmitte um vier Prozent ein. Für Anleger aus Euroland wurde daraus ein Plus von 13 Prozent.






























