Wer nicht zahlt, fliegt raus. So erging es in dieser Woche
ThyssenKrupp. Weil der Stahlkonzern für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 nur 30 Cent pro Aktie ausschütten wird, statt 1,30 Euro wie im Vorjahr, verliert er seinen Platz im elitären Zirkel der dividendenstärksten Börsenwerte. Sowohl im Euro Stoxx Select Dividend Index als auch im globalen Pendant Stoxx Global Select Dividend Index ist ThyssenKrupp seit Mittwoch nicht mehr vertreten.
Mit seiner Hauptversammlung am kommenden Donnerstag eröffnet der Stahlproduzent die diesjährige Dividendensaison im
Dax. Auf dem Aktionärstreffen stimmen die Aktionäre über die Höhe der Dividende ab, die üblicherweise vom Vorstand vorgeschlagen wird. Und das Management von ThyssenKrupp hat sich bereits festgelegt: Mit 30 Cent je Aktie sollen sich die Anteilseigner begnügen.
Mit der gekürzten Ausschüttung liegt der Stahlkonzern im Trend, doch so drastisch wie bei ihm schmelzen die Dividenden im Dax nicht dahin. Laut Analystenkonsens werden die 30 Index-Mitglieder für das vergangene Jahr rund 20 Milliarden Euro auskehren, etwas sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rekord datiert von 2008, als die Dax-Firmen rund 28 Milliarden Euro unter die Aktionäre brachten.
Von geizigen Firmenchefs kann jedoch keine Rede sein. Denn schließlich hat der Konjunktureinbruch die Konzerne hart getroffen, ihre Gewinne sind 2009 teilweise um mehr als die Hälfte eingebrochen. "Gemessen an der Wirtschaftslage sind die Ausschüttungen noch beträchtlich", sagt Klaus Stabel von ICF Kursmakler.
Damit zeigt sich einmal mehr die Stabilität der Ausschüttungen. "Die Dividenden schwanken weit weniger stark als die Unternehmensgewinne", sagt Thomas Schüssler, Fondsmanagers des DWS Top Dividende. In guten Jahren würden die Firmen einen Puffer bilden und ihre Ausschüttungsquote senken. In schlechten Jahren beteiligten sie ihre Anleger dagegen verhältnismäßig stärker am Erfolg. Die Strategie läge im Interesse der Unternehmen, so Schüssler. "Eine verlässliche Ausschüttung stärkt das Vertrauen der Investoren."
Deutlich geschmolzen ist jedoch die Dividendenrendite, also die Ausschüttung pro Aktie im Verhältnis zum Kurs. Auf Basis der rollierenden Zwölfmonatsdividende rentieren die Dax-Werte aktuell mit rund 3,5 Prozent. Im März 2009 lag die Rendite noch bei knapp sieben Prozent. Damals kamen zwei Faktoren zusammen: Trotz Ausbruch der Finanzkrise verdienten die meisten Unternehmen 2008 noch ordentlich. Zugleich brachen die Aktienkurse bis März 2009 deutlich ein.
Klaus Stabel hält die Aktien derzeit dennoch nicht für zu teuer: "Die Dividendenrendite im Dax liegt noch immer über der von zehnjährigen Bundesanleihen. Und der Marktzins kann letztlich nur der Vergleichsmaßstab sein." Auch im langfristigen Vergleich ist es eher die Ausnahme, dass Aktien eine höhere Dividendenrendite abwerfen als Bundesanleihen.
Spitzenreiter im Dax ist mit einer Dividendenrendite von rund 7,7 Prozent die
Deutsche Telekom. Hinter dem Ex-Monopolisten rangieren die Versorger
Eon und
RWE sowie die Versicherungskonzerne
Allianz und
Munich Re mit Renditen von 4,3 bis 5,2 Prozent. Nichts zu holen gibt es dagegen bei der
Commerzbank: Mit der Inanspruchnahme staatlicher Gelder hat sich die Bank vorerst die Möglichkeit genommen, eine Dividende auszuzahlen. Ihre Aktionäre sind jedoch nicht die einzigen, die 2010 leer ausgehen: Gleiches erwarten die Analysten bei
Infineon und der
Deutschen Lufthansa.





















