18.05.2010
Der Ölteppich im Golf von Mexiko könnte BP teuer zu stehen kommen.
Der Ölteppich im Golf von Mexiko könnte BP teuer zu stehen kommen.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Deepwater-Katastrophe

Ein Desaster für nachhaltige Investments

von Martin Reim

BP gehörte zu den beliebtesten Aktien in Ökofondsdepots. Mit dem Untergang seiner Ölbohrplattform "Deepwater" bekommt nicht nur der Mineralölkonzern Probleme, sondern auch nachhaltige Investmentfonds.

Vor mehr als drei Wochen ist die Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko versunken. Seitdem sind Versuche, das Austreten des Öls nachhaltig zu stoppen, gescheitert. Mit jedem verlorenen Tag wachsen die negativen Folgen für die Natur und die Kosten für deren Beseitigung. Die Rede ist von einer der größten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte. Entsprechend ist der Aktienkurs von BP, dem Besitzer der Ölquelle, abgestürzt.

Was schon für konventionelle Anleger unangenehm ist, bedeutet für viele nachhaltige Investoren ein Desaster. Denn die BP-Aktie ist in einer Reihe dieser Branchenfonds eine der größten Positionen. Das beeinträchtigt nicht nur die Wertentwicklung, sondern wirft Fragen nach der Sinnhaftigkeit solcher Aktienauswahl auf.

Die Internetplattform Nachhaltiges-investment.org verzeichnet immerhin 13 in Deutschland erhältliche Fonds, in denen die BP-Aktie ein hohes Gewicht einnimmt. Spitzenreiter ist der Equities Global Environment der Société-Générale-Tochter SGAM mit einem BP-Anteil von 4,94 Prozent. Der Fonds legt laut Selbstbeschreibung in "Weltmarktführer der Umweltwirtschaft" an. Hohe BP-Quoten gibt es auch bei einigen Produkten der schweizerischen Sustainable Asset Management (SAM). Hier sind laut Eigendarstellung Unternehmen gefragt, "die in ihrer Branche bezüglich Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen".

In Indizes ist BP ebenfalls gut vertreten. Im Dow Jones Sustainability World, für den SAM mitverantwortlich ist, liegt das Gewicht bei knapp zwei Prozent. Die Aktie rangiert unter 316 Werten auf Platz sechs und ist der gewichtigste Ölwert. Auch in der Indexfamilie FTSE4Good, die von der Financial Times und der Londoner Börse aufgelegt wird, hat BP eine herausgehobene Position.

Weltweit ist zuletzt immer mehr Geld in nachhaltige Anlagen geflossen. Laut einer aktuellen Studie von DB Research waren nach letztverfügbaren Zahlen 6800 Milliarden Euro unter Verwaltung. In Europa nahm das Volumen in den vergangenen Jahren um jährlich jeweils fast die Hälfte zu. Jeder sechste investierte Euro steckt inzwischen in diesem Segment. Mit den Zuflüssen verschob sich der Schwerpunkt der Anlagen.

Dominierten früher eher Fonds mit Ausschlusskriterien - bei kirchlichen Trägern blieben meist Alkohol, Glücksspiel und Sex außen vor, bei grünen Produkten Atomkraft oder eben die Ölindustrie -, so erfreut sich inzwischen der sogenannte Best-in-class-Ansatz großer Beliebtheit. Hier finden auch umstrittene Gewerbe Eingang, aber nur die aus Sicht der Fondsgesellschaft jeweils am wenigsten schlimmen Unternehmen. Vorteil für Investoren: Ihr Geld wird auf eine größere Zahl von Branchen verteilt und damit das Risiko breiter gestreut.

Vielen galt BP als eine der Vorzeigefirmen in der Ölindustrie. Die Briten haben mehr Gasreserven als die meisten Konkurrenten, was die CO2-Bilanz verbessert. Außerdem investiert das Unternehmen stark in regenerative Energien. Der Konzern selbst verwandelte seinen Namen, der für British Petroleum steht, zu Werbezwecken in Beyond Petroleum (deutsch: über Petroleum hinaus).

Manche Experten sehen durch das BP-Desaster weniger das nachhaltige Investieren an sich in der Krise, sondern das Klassenbesteprinzip. Der Branchendienst Ecoreporter.de spricht von einem "Best-in-class-Desaster". Und Volker Weber, Chef des Forums Nachhaltige Geldanlagen, sagt: "Investoren, die grundsätzlich auf Ausschlusskriterien setzen, sind nun fein heraus."

Paschen von Flotow, Nachhaltigkeitsexperte an der European Business School, erwartet, dass einige Marktteilnehmer ihren Ansatz überprüfen werden. Eine grundsätzliche Ablehnung von Best-in-class wäre aus Flotows Sicht nicht sinnvoll: erstens aus Gründen der Risikostreuung, zweitens, weil der Ansatz positiv in die Unternehmen hineinwirke. "Es entsteht ein Wettbewerb, wer am schnellsten Fortschritte macht." Weber und Flotow raten nachhaltigen Anlegern, die Auswahlprinzipien bei Fonds und Indizes genau zu überprüfen.

Fondsmanager und Indexbetreiber reagieren derzeit zumeist abwartend. Man beobachte die Situation am Golf von Mexiko aufmerksam, heißt es einhellig. Es sei jedoch zu früh, um über Konsequenzen zu sprechen oder auch nur einen möglichen Zeitpunkt dafür zu nennen. Lediglich ein Sprecher der Pax-Bank erklärte, der Anlageausschuss für den Fonds Liga-Pax-Cattolico treffe sich an diesem Montag und diskutiere über BP. Der Öl-Konzern ist einer der größten Positionen des Fonds, der exklusiv von der katholischen Pax-Bank vertrieben und von Union Investment verwaltet wird.


Quelle: ftd
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