Herr Scherer, der DAX hat im ersten Halbjahr per saldo wie von Ihnen prognostiziert nicht mehr als eine Seitwärtsbewegung hinbekommen. Wie geht es nun an den Märkten weiter?
Die Aktienmärkte erinnern mich an die Situation vom Juli 2009. Auch da hatten wir eine drohende Top-Formation, auf die wir relativ schnell reagiert haben. Damals war es beim DAX der Rutsch von 5000 auf 4600 Punkte, dieses Mal der auf 5634 Zähler. Auch bei den amerikanischen Indizes zeichnete sich eine Top-Formation ab, der S&P 500 hat sein Jahrestief aber direkt gekontert. Die Zeichen bleiben auch aufgrund weiterer Indikatoren ambivalent.
Welche Rolle spielt dabei die konjunkturelle Phase für die Börsenindizes?
Wenn man ein Muster von Aktienmärkten nach dem Ende einer rezessiven Phase nimmt, gibt es zunächst schnelle dynamische Gewinne und dann eine ruhigere Gangart. An dieser Schwelle standen die Märkte Anfang 2010.
Wie sieht die Signallage jetzt aus?
Ein gutes Beispiel für die zuletzt aufgekommenen Konjunktursorgen ist der Baltic Dry Index, der das Verschiffen von Frachtgütern abbildet. Hier wurde ein Aufwärtstrend gebrochen und eine Top-Formation komplettiert, also eine charttechnische Wende vollzogen.
ist Diplom-Kaufmann und Certified Financial Technician. Als technischer Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt zeichnet er für die Analysen im täglich erscheinenden Daily Trading Newsletter der Privatbank verantwortlich. Daneben engagiert sich Scherer im Rahmen der Vereinigung der Technischen Analysten Deutschlands. Er analysiert neben kurzfristigen Bewegungen auch langfristige Trends und sieht dort beispielsweise den Euro seit Ende des Jahres 2009 in einem längerfristigen Abwärtskanal.
Wie weit läuft der Baltic Dry Index der Konjunktur denn vorneweg?
Schaut man sich den Absturz im Jahr 2008 an, hatte er sein absolutes Tief im Dezember 2008 etwa mit drei Monaten Vorlauf zum Kurstief am Aktienmarkt. Dazu sieht im Übrigen auch der Rentenmarkt wenig überzeugend aus.
Welche Entwicklung ist bei den Zinsen zu sehen? Eher inflationär oder deflationär?
Bei der Zehn-Jahres-Rendite in den USA sind wichtige Unterstützungen unterschritten worden, es wurde gar eine Topbildung komplettiert. Dies lässt tendenziell auf fallende Renditen schließen. In Japan ist sogar eine wichtige Zone durchbrochen worden, die in den vergangenen sieben Jahren immer gehalten hat. Gemeinsam mit dem Baltic Dry Index, der eine konjunkturelle Abschwächung ankündigt, ist ein Inflationsszenario weit weg. Die Charts sprechen derzeit eigentlich eine deflationäre Sprache.
Wie weit können die Zinsen in den USA denn noch fallen?
Von der Charttechnik reicht es nicht ganz für ein neues Renditetief, aber die Richtung dürfte dahin gehend sein. Das Kursziel ist ein Wert von 2,2 Prozent bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen. Derzeit notieren sie bei 2,98 Punkten.





















