Bernard Arnault ist immer für eine Überraschung gut. Bereits 50 Firmen hat der langjährige Konzernlenker von LVMH integriert. Jüngster Coup des weltweit größten Luxuskonzerns aus Frankreich: das Übernahmeangebot an den italienischen Konkurrenten Bulgari für 4,3 Mrd. Euro. Damit rückt LVMH auch bei Schmuck und Uhren zu den weltweit führenden Luxusanbietern auf, auch wenn Analysten wie Lars Lusebrink von Independent Research den Kaufpreis in Höhe des Vierfachen des Jahresumsatzes als "sehr ambitioniert" einstufen.
Doch die Übernahme zeigt: Die Luxusgüterbranche positioniert sich für die neue Aufschwungphase. Die nötigen Finanzmittel sind vorhanden, denn das Geschäft läuft auf Hochtouren, wie das Zahlenwerk für 2010 und der Ausblick der Branchengrößen untermauern. Viele Luxusaktien versprechen nach Ansicht von Analysten weiteres Kurspotenzial, auch wenn sie bereits mit dem 15- bis 20-Fachen des für 2011 erwarteten Gewinns je Aktie gehandelt werden.
Ihr Optimismus ruht vor allem auf der wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran China. Laut einer aktuellen Branchenstudie von
Goldman Sachs wird sich die Zahl der Personen weltweit, die sich Luxusgüter leisten können, von 2011 bis 2025 auf 1,3 Milliarden quasi verdoppeln wird. Davon entfallen allein 200 Millionen Konsumenten auf China. Der Ausbau des Chinageschäfts ist daher ein wichtiges Auswahlkriterium für Investoren. Doch auch die Erschließung des Internethandels und die Verbesserung der operativen Margen sind wichtige Erfolgsfaktoren.
So gesehen kommen Anleger vor allem am Branchenführer
LVMH nicht vorbei. 23 der 34 Analysten, die das Unternehmen beobachten, sprechen derzeit eine Kaufempfehlung aus. Ihre Argumente: eine hohe Preissetzungsmacht in allen Sparten, die hohe Profitabilität im Bereich Mode und Lederwaren mit der Kernmarke Louis Vuitton und die fortschreitende internationale Expansion. LVMH legte 2010 bei den Erlösen um 19,2 Prozent auf 20,3 Mrd. Euro zu, während sich der operative Gewinn (Ergebnis vor Zinsen und Steuern, Ebit) um 29 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro verbesserte.
Richemont glänzt ebenfalls mit steigenden Margen - und ist daher für die Analysten von Goldman Sachs ebenfalls ein Kauf. Aushängeschild des Schweizer Konzerns ist die Uhren- und Schmuckmarke Cartier. Die im April 2010 gekaufte britische Firma Net-A-Porter.com bringt neuen Schwung ins Onlinegeschäft. Bei den Neunmonatszahlen für das Geschäftsjahr 2010/11 verzeichnete Richemont ein Umsatzplus von 33 Prozent und ein starkes Asiengeschäft. Mit einer Netto-Cashposition von umgerechnet 2,2 Mrd. Euro ist die Kasse für weitere Akquisitionen gefüllt. Da Richemont größtenteils in der Schweiz produziert, machen sich Währungseffekte allerdings negativ bemerkbar.






















