Kann der Goldpreis tatsächlich noch weiter steigen? Schließlich hat sich der Kurs des gelben Metalls seit dem Jahr 2001 bereits verfünffacht. Und alleine in den vergangenen zwei Jahren schnellte der Preis je Unze von 600 auf 1200 Dollar nach oben – und brachte damit Stabilität ins Depot. Denn wann immer die Kurse an den Aktienmärkten einbrachen, blieben die Notierungen der klassischen Krisenanlage konstant oder legten sogar noch zu. Eine so dauerhafte Rallye hat es nach den Berechnungen des Finanzdienstleisters Bloomberg seit neun Jahrzehnten nicht mehr gegeben.
Auch wenn sich der Preis für die Feinunze nun wieder seinem Allzeithoch von 1266,50 Dollar annähert, der Kursaufschwung dürfte entgegen den Aussagen mancher Experten noch nicht beendet sein, Denn es gibt etliche Gründe, die für eine Fortsetzung der Rallye sprechen. So sinkt das Vertrauen der Anleger in die Erholung der Weltwirtschaft – aus gutem Grund: Die Schuldenkrise in Europa ist keineswegs ausgestanden, aus den USA kommen schwache Konjunkturdaten sowie weitere negative Meldungen vom Häusermarkt, das chinesische Wachstum verlangsamt sich und die japanische Notenbank kämpft gegen die Deflation.
Damit nicht genug: Die befürchtete Zurückhaltung Indiens, dem weltgrößten Goldkonsumenten, ist zum Beginn der Feiertagssaison ausgeblieben. Trotz des relativ hohen Goldpreises ist die Nachfrage enorm. Nach Einschätzung der größten Goldbörse des Landes könnten die Importe in diesem Jahr zwischen 600 und 625 Tonnen liegen. Das wäre ein Plus von knapp 30 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich die indische Konjunktur zuletzt mit der höchsten Wachstumsrate seit zweieinhalb Jahren entwickelte. Und Gold gilt als das beliebteste Geschenk bei Hochzeiten auf dem Subkontinent – während der laufenden Hochzeitssaison dürften sich dort rund 10 Millionen Paare das Ja-Wort geben.
Hinzu kommt die wachsende Nachfrage der Investoren: BNP Paribas schätzt, dass Indexfonds mittlerweile rund 2100 Tonnen des Edelmetalls halten – und damit in etwa gleichviel wie die Zentralbanken Frankreichs oder Italiens. Mit Anteilen an diesen ETFs können Investoren an der Entwicklung des Goldpreises teilhaben. Und auch die Zentralbanken selbst, vor allem aus den Schwellenländern, gelten als Käufer.
Dass das Allzeithoch in nächster Zeit geknackt ist, ist demnach sehr wahrscheinlich. Und dennoch sollten Sie nicht Haus und Hof versetzen, um an steigenden Goldpreisen zu profitieren, wie es einige Experten Glauben machen wollen. Bis Ende 2012 werde eine Feinunze 5000 Dollar kosten, glaubt der Schreiber eines Börsenbriefs. Und das ist nun wieder ziemlich unwahrscheinlich.
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