23.07.2010
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Trau dich! Der Einstieg bei Aktien scheint derzeit günsitg wie selten
Trau dich! Der Einstieg bei Aktien scheint derzeit günsitg wie selten
Foto: Getty
Investor-Artikel

Billige Aktien

Zweifel am besten Einstieg

von Karsten Röbisch

Die deutschen Privatanleger sind so mutlos wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr. Sie scheuen Aktien und flüchten stattdessen in Staatsanleihen. Dabei scheint gerade der Vergleich der Renditen für Aktien zu sprechen.

Ein solches Phänomen hat es in den 40 Jahren zuvor nie gegeben: Seit Oktober 2008 liegt die Dividendenrendite des DAX über der Umlaufrendite von Bundesanleihen.

Als Argument für Aktien taugt ihre relativ günstige Bewertung allein aber nicht. Ob nun Aktien oder Renten künftig stärker zulegen, lässt sich daraus nicht ableiten. "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Abstand von Umlauf- und Dividendenrendite und der künftigen Kursentwicklung. Eine relativ hohe Dividendenrendite bedeutet nicht, dass Aktien künftig stärker zulegen", sagt Sascha Rieken, Anlagestratege bei der Vermögensverwaltung Feri Finance.

Derzeit beträgt die Umlaufrendite rund 2,3 Prozent. Das ist der Ertrag aus einem Bündel deutscher Anleihen bester Bonität unterschiedlicher Laufzeit. Die DAX-Dividendenrendite für 2010 steht bei 3,6 Prozent. Sie entspricht dem Verhältnis der erwarteten Ausschüttungen zum aktuellen DAX-Stand und markiert somit den recht sicheren Teil des Aktienertrags.

Bei einer vergleichsweise hohen Dividendenrendite wäre anzunehmen, dass Investoren von Anleihen in Aktien umschichten, was in der Folge zu höheren Kursen führt. Denn schließlich haben sie neben der relativ sicheren Dividende noch die Chance auf Kurserträge.

Das bedeutet aber nicht zwangläufig steigende Kurse. Rieken hat für den MSCI Deutschland den Kursverlauf seit 1970 analysiert und nach Mustern untersucht. Zwar lagen schon 2003 Dividenden- und Umlaufrendite fast gleichauf und erzielten Aktien danach eine deutliche Überrendite. Doch es gibt auch Fälle wie Ende 1994, als die Dividendenrendite fast fünf Prozentpunkte unter der Umlaufrendite lag. Obwohl Aktien damit eher teuer aussahen, hat sich ihr Wert in den nächsten fünf Jahren mehr als verdreifacht - deutlich mehr als Renten in dieser Zeit. Riekens Fazit: "Eine relativ hohe Dividendenrendite allein bedeutet nicht automatisch einen günstigen Einstiegszeitpunkt."

Erschwert wird der Vergleich ohnehin dadurch, dass die Zinsen seit Ende der 1970er-Jahren stetig gesunken sind, was an den niedrigeren Inflationsraten lag. Somit erscheinen Aktien in Relation zu Anleihen heute günstiger. Die Analyse der Dividendenrendite allein greife daher zu kurz, so Rieken. "Während die Umlaufrendite einem langfristigen Abwärtstrend gefolgt ist, wurden die Aktienkurse immer häufiger von Spekulationsblasen bestimmt. Einen großen Anteil daran hatte die Politik der Notenbanken."


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