Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal
private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“
Liebe Leserinnen, liebe Leser
Erinnern Sie sich noch? "Es wird kein Cent deutschen Steuergeldes nach Athen fließen" und "Diejenigen, die unverantwortliche Geschäfte gemacht haben, werden dafür zur Verantwortung gezogen werden. Das sind wir auch dem Steuerzahler schuldig." Wie wir heute wissen, trafen diese Aussagen der Kanzlerin, behutsam formuliert, nicht gerade ins Schwarze. Im Gegenteil. Jedes, aber auch jedes kategorische Nein aus Berlin wandelte sich nach dem üblichen rituellen Ziergebaren in ein Ja zu einer immer größeren deutschen Beteiligung an der „Rettung“ des Euro, dessen Überleben aus unerfindlichen Gründen gleich einmal mit dem Fortbestands Europas gleichgesetzt wurde. Diese Wackelstrategie der Bundeskanzlerin hat es nun unter dem Schlagwort "German Eiertanz" unrühmlichen Eingang in den angelsächsischen Sprachraum gefunden.
Vergessen wir nicht: Jede weitere Kreditzusage und -bürgschaft der Regierung war – genau wie die jetzige - mit der festen Zusicherung verbunden, die Probleme damit endgültig gelöst, den Euro stabilisiert und eine Ansteckung anderer Staaten verhindert zu haben. Und was passierte? Der eine Rettungsschirm war noch nicht ganz aufgeklappt, da musste auch schon der nächste her, den ersten Hunderten von Milliarden Euro mussten immer weitere Summen nachgeschossen werden. Die Lage verbesserte sich jedoch nicht, sie verschlimmerte sich zusehends.
Heute, die Diskussion im Bundestag um die Ausweitung der ESFS am Donnerstag zeigte es, befinden wir uns an einem Punkt, in dem auch die Rettungsmanie selbst den "Too big to fail"-Status erreicht hat: Die Beteiligten haben gar keine andere Wahl mehr, als der in eine gefährliche Eigendynamik übergegangenen Aufstockung der Rettungsmaßnahmen ihren Segen zu erteilen, da ein Nein einen sofortigen Kollaps auslösen würde, über dessen Ausmaß nur spekuliert werden kann. Jetzt ist in Athen die "Experten"-Troika am Drücker. Eine Wahl hat aber auch sie nicht. Und ein paar Monaten, vielleicht auch schon Wochen, da können Sie sicher sein, beginnt der Spaß wieder von vorne. Und die Börsen? Sie wissen mittlerweile nicht mehr so recht, ob sie neue aus dem Nichts geschaffene Billionen auch weiterhin für bullish oder mittlerweile doch so langsam für bedenklich halten sollen, zumal dem Markt sehr bewusst ist, dass das muntere Wettretten de facto einzig den Banken gilt, die trotz aller bis jetzt zugeschossenen Billionen weiter mit dem Rücken zur Wand stehen und, gemessen an ihrer Risikoexposition, eine allenfalls als symbolisch zu bezeichnende Eigenkapitalquote fahren.
Die Sache selbst, und das verschleiern all die schönen Abkürzungen wie ESFS und ESM, ist denkbar einfach und würde den Bürger in Massen auf die Straße bringen, wenn man ihn nicht mit aller Kraft für dumm verkaufen würde: B lieh A Geld, weil A einen hohen Zinssatz versprach, den sich B nicht entgehen lassen wollte. Als sich herausstellte, dass A zahlungsunfähig war, rief B (wie Banken) C, D, E, F usw. bis Z zur Hilfe, die nun für A’s Verpflichtungen gerade stehen sollen. Das und nichts anderes wird gerade gespielt. Und alle, die dieses Spiel unlustig finden, wurden und werden als „Euro-Gegner“ oder „Euro-Skeptiker“ abgestempelt, so wie Frank Schäffler von der FDP und Wolfgang Bosbach von der CDU oder der verstorbene Herman Scheer von der SPD. Die wahren Totengräber des Euro sind jedoch die, die exorbitante Schulden mit noch viel größeren Schulden zu bekämpfen versuchen.






















