Wer hätte das gedacht? Nicht Trendthemen wie regenerative Energien oder Internet bringen Anlegerdepots auf Vordermann. Es sind die Klassiker, die die Kassen klingeln lassen. Einen heißen Ritt seit Jahresstart legten die Autohersteller und ihre Zulieferer aufs Börsenparkett. Unter den 19 Sektoren im Euro Stoxx liegt der Sektorindex auf dem zweiten Platz und schneidet damit um 14 Prozentpunkte besser ab als der Markt.
Die Auftragsbücher der deutschen Autobranche sind voll: Im ersten Halbjahr hat sie dem Branchenverband VDA zufolge die Pkw-Exporte um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert und die Pkw-Inlandsproduktion um 23 Prozent erhöht. Vor allem China und der US-Markt treiben die Nachfrage.
Mit Continental hat einer der hierzulande bekanntesten Autozulieferer maßgeblich zu der guten Kursentwicklung der Branche beigetragen. Der Reifenspezialist bringt es auf einen Zuwachs von einem Viertel. Die Hannoveraner können auch operativ punkten. Im ersten Halbjahr schaffte der Konzern eine bereinigte Marge von 10,4 Prozent. Vor allem das Pkw-Reifengeschäft lief auf Hochtouren: Der Spartenumsatz legte um ein Drittel, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um die Hälfte zu.
Ebenfalls positiv stimmt, dass die Verschuldung weiter zurückgeht, und die Fusion mit Schaeffler noch immer in den Sternen steht. Frühestens Ende 2011 sieht das Schaeffler-Management die Möglichkeit eines Zusammenschlusses. Dagegen dürfte der Wachstumskurs bei Conti in der zweiten Jahreshälfte anhalten. Neue Impulse könnte der Autosalon in Paris bringen, der Ende September stattfindet. Zudem soll die schwächelnde Antriebssparte Powertrain bis zum Jahresende wieder auf Kurs gebracht werden. „Die Risiken der Fusion mit Schaeffler sind begrenzt, das Wachstum im Bereich Automotive ist überdurchschnittlich, und die positive Trendwende in der Powertrain-Sparte verläuft schneller als erwartet“, sagt UBS-Analyst Stephan Pütter. Er sieht für den Aktienkurs noch Potenzial bis auf 65 Euro – ein Plus von 40 Prozent.
Noch etwas mehr zu bieten haben die zweite und dritte Reihe. So schlägt bei der Bertrandt-Aktie eine Performance von 62 Prozent im bisherigen Jahresverlauf zu Buche. Zwar kam es nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen – die übrigens hervorragend ausfielen – zu Gewinnmitnahmen. Allerdings bietet dieses Durchschnaufen im intakten Aufwärtstrend Anlegern eine gute Gelegenheit einzusteigen. Denn die Autohersteller zünden derzeit ein Modellfeuerwerk. Das ist allerdings nicht die einzige Wachstumsmöglichkeit für den Ingenieurdienstleister. Auch der Trend zur CO2-Reduktion bei Pkw begünstigt die Geschäfte. Denn der Wandel vom Verbrennungs- zum Elektromotor lässt die Forschung und Entwicklungsbudgets der Autokonzerne anschwellen. Laut Deutsche-Bank-Analystin Flora Benhakoun wird der Markt für Ingenieurdienstleistungen für die Automobilindustrie bis 2013 um jährlich fünf Prozent wachsen. Bertrandt dürfte als Marktführer überproportional davon profitieren.
MDAX-Kollege Elring Klinger fährt ebenfalls in der Erfolgsspur – operativ wie am Kapitalmarkt. Nach einem starken ersten Halbjahr hat der Zulieferer die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Die Kapazitätsauslastung liegt bereits bei 90 Prozent im Pkw-Bereich und bei 75 Prozent in der Sparte Lastwagen. Die angezeigten Auftragseingänge sollten dazu führen, dass auch in der Lkw-Teilefertigung im Laufe des zweiten Halbjahrs die Auslastung bis auf 90 Prozent hochgefahren werden kann.






























