26.02.2010
In China können auch deutsche Autobauer Erfolge erzielen.
In China können auch deutsche Autobauer Erfolge erzielen.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Autoaktien

Die Erfolgsspur führt nach Asien

von Christian Ingerl

In den Bilanzen der Autobauer türmen sich hohe Verluste auf. Und nach dem Wegfall der Abwrackprämie ist der Ausblick für Europa keineswegs rosig. Hoffnungsschimmer für die Branche und Investoren sind die Märkte in China und Indien. Wir stellen ausichtsreiche Werte vor.

Es sollte ein Horrorjahr werden, doch am Ende wurde es nur ein schlechtes Jahr für die Autoindustrie. Dank Abwrackprämie in vielen Ländern und der starken Nachfrage in China fiel der Absatzeinbruch 2009 deutlich geringer aus als zunächst befürchtet. Mit weltweit 52,8 Millionen Fahrzeugen verkauften die Hersteller rund 5,4 Prozent weniger als 2008.

In den Bilanzen der Autobauer türmen sich dennoch große Verluste auf: 2,6 Milliarden Euro Miese weist allein Daimler für 2009 aus, die beiden französischen Hersteller Renault und PSA kommen zusammen auf 4,1 Milliarden Euro, und der italienische Fiat-Konzern schrieb seinerseits einen Verlust von 800 Millionen Euro .

Und die Aussichten sind, zumindest was Europa betrifft, nicht rosig. "Wir gehen davon aus, dass in Europa in diesem Jahr 10 bis 15 Prozent weniger Pkw als 2009 verkauft werden" , sagt Frank Schwope, Analyst der Nord/LB. Das entspräche einem Rückgang von bis zu zwei Millionen Fahrzeugen. In der Konsequenz belässt Schwope sein Rating für den Sektor bei "negativ".

Doch es gibt auch positive Signale, an denen sich die Branche aufbaut. Als Wachstumsmotor gilt einmal mehr China, was angesichts der jüngsten Verkaufszahlen nicht verwundert. Im Januar konnten die drei deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Daimler ihre Absätze im Reich der Mitte verdoppeln. Auch VDA-Präsident Matthias Wissmann sieht in Asien Potenzial. Kommen in China derzeit auf 1000 Einwohner 21 Fahrzeuge, sind es in Deutschland mehr als 500. Angesichts des Aufholpotenzials rechnet Wissmann 2010 mit einem globalen Absatzplus von vier Prozent, in den Folgejahren sollen die Zuwächse noch höher ausfallen.

Gute Chancen, an dem Wachstum zu partizipieren, hat BMW, dessen Oberklassemodelle sich zuletzt wieder besser verkauften. Die positive Dynamik aus dem vierten Quartal konnten die Münchner in das neue Jahr hinüberretten. Der weltweite Absatz legte im Januar um 16,6 Prozent zu. Vor allem bei der profitablen 7er-Reihe zog der Absatz im Jahresvergleich um 90 Prozent an. "Andere hochpreisige Produkte wie der X5 und der X6 haben sich ebenfalls gut entwickelt", sagt Unicredit-Analyst Georg Stürzer.

Mit neuen Produkten könnte BMW im laufenden Jahr weiter punkten. Vor allem der Kleingeländewagen X1 sowie die im März startende neue 5er-Reihe dürften die Verkaufszahlen anfeuern. Experte Stürzer rechnet für das Gesamtjahr mit einem Absatzplus von acht Prozent und versieht den Dax-Wert mit einem Kaufurteil - Kursziel 35 Euro.

Potenzial verspricht auch die Aktie von Volkswagen, nachdem der Kurs zuletzt deutlich gesunken ist. Kurzfristig könnte der Konzern sogar von den Problemen beim Konkurrenten Toyota profitieren, der wegen Bremsproblemen Millionen Fahrzeuge zurückrufen musste. Wichtiger jedoch sind die langfristigen Ziele, und die haben die Wolfsburger in ihrem Programm "Strategie 2018" klar definiert. Bis 2018 will Europas größter Autobauer konzernweit mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen, 2008 waren es 6,2 Millionen. Die mittelfristige operative Umsatzrendite soll im Autogeschäft mindestens fünf Prozent betragen, 2018 sogar acht Prozent. Die Analysten glauben an den Erfolg: Während die HSBC ein Kursziel von 79 Euro ausruft, ist Kepler Capital Markets mit 94 Euro noch ein wenig optimistischer.

BYD setzt auf Elektromobilität

Auch jenseits von Deutschland verbergen sich vielversprechende Hersteller, die besonders vom Wachstum in Asien profitieren dürften. Dazu zählt besonders Tata Motors. Der größte Autokonzern Indiens konnte im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn von umgerechnet 62 Millionen Euro erzielen, im Vorjahr operierte der Konzern noch in der Verlustzone. Der Umsatz legte von September bis Dezember um mehr als zwei Drittel zu. Auch der Start in das neue Jahr ist geglückt: Der weltweite Absatz hat sich im Januar nahezu verdoppelt.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2011 ist Tata nicht gerade günstig. Dafür verspricht der Konzern die größten Wachstumsraten. Allein der Umsatz soll zwischen 2009 und 2012 im Durchschnitt um ein Drittel zunehmen, die Steigerungsraten beim Gewinn sind aufgrund der Ertragswende noch ungleich höher.

Auf dem Weg zu einem Autohersteller ist der chinesische Elektronikkonzern BYD, an dem auch Warren Buffett beteiligt ist. Die Chinesen setzen auf Elektromobilität. Noch 2010 möchte BYD sein elektrisch betriebenes Modell E6 in den USA auf den Markt bringen, ein Jahr früher als geplant. Der große Vorteil ist, dass BYD sowohl die Autos als auch die Batterien herstellt, was einen Kostenvorteil bringt. Die Chinesen könnten langfristig ein ernst zu nehmender Wettbewerber werden. Etablierte Hersteller wie BMW und VW werden frühestens 2013 ein derartiges Vehikel am Start haben.


Kursinformationen + Charts

UnternehmenISIN
BMWDE0005190003.DE  Detailinformationen
DaimlerChryslerDE0007100000.DE  Detailinformationen
Volkswagen Vz.DE0007664039.DE  Detailinformationen
BYD ELECTRONIC (INTL) CO. LTD. REGISTEREHK0285041858.F  Detailinformationen
TATA MOTORS LTD. REG.SHARES (SPONS.ADRS)US8765685024.F  Detailinformationen

Quelle: capital.de
© 2010 ftd

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