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24.01.2012
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Foto: dpa-PA
Investor-Artikel

Anlagetrend

Keine Luftnummer

von Norbert Hofmann

Hersteller von Industriegasen verzücken Investoren derzeit mit ihrem hohen Wachstumspotenzial - und konservativen Geschäftsmodellen. Eine Analyse.

Die bahnbrechende Idee hatte Carl von Linde vor über 100 Jahren, als er ein Verfahren zur Umwandlung von Luft in Flüssigkeit entwickelte. Heute basieren darauf riesige Luftzerlegungsanlagen, die rund um den Globus industrielle Gase erzeugen. Etwa in der chinesischen Provinz Hebei, wo Linde für einen Stahlproduzenten künftig die vollständige Gasversorgung übernehmen wird. Kein Wunder, dass sich Konzernchef Wolfgang Reitzle über die Idee des Firmengründers noch heute freut. "Auch wenn sich die konjunkturelle Dynamik abkühlen sollte, sehen wir insbesondere in den aufstrebenden Volkswirtschaften nach wie vor gute Wachstumschancen", frohlockte er kürzlich.

Linde-Aktionäre finden nicht nur die Nachfrage im Fernen Osten verlockend. "Viele Investoren reizt die Kombination aus Wachstumspotenzial und defensivem Geschäftsmodell", sagt Sebastian Satz, Analyst bei HSBC in London. Denn Industriegaseunternehmen versorgen beispielsweise Großabnehmer wie Ölraffinerien oder Firmen aus dem Metall-, Stahl- und Chemiesektor über direkt oder nahe an deren Standort gebaute Anlagen. Mit diesen Kunden schließen sie sogenannte Take-or-pay-Verträge ab, die ihnen über 15 Jahre oder sogar noch länger die Abnahme von in der Regel 60 bis 70 Prozent der Kapazitäten sichern. "Die Kunden lassen sich auf diese Verträge ein, weil sie ihnen langfristig Versorgungssicherheit garantieren", erläutert Satz.

Da sie das Know-how der Industriegasespezialisten schätzen, übertragen ihnen immer mehr Firmen zudem den Betrieb eigener Anlagen und beauftragen sie gleichzeitig mit dem Ausbau der Kapazitäten. Auch da gibt es in Asien noch reichlich Potenzial. "Allen voran Linde profitiert davon nicht nur als Betreiber, sondern auch als führender Hersteller", sagt Jürgen Reck, Aktienanalyst bei Macquarie.

Darüber hinaus verdienen die Anbieter vor allem in wirtschaftlich guten Zeiten am Verkauf von Flüssiggas. Dabei werden die bei den Großanlagen freigesetzten, von den Hauptkunden aber nicht benötigten Gase mit Tankwagen an Lebensmittelunternehmen verschickt, etwa für die Kühlsysteme. Langfristverträge gibt es da allerdings nicht. "Industriegase werden zunehmend auch bei der Ölaufbereitung eingesetzt - um die knappen Vorkommen effizienter zu nutzen und um das Endprodukt an verschärfte Umweltgesetze anzupassen", ergänzt Macquarie-Mann Reck.


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