Bei einem
DAX in der Nähe seines Jahreshochs, guter Stimmung unter den Verbrauchern in Europa und einem Sommer ohne nennenswerte Rückschläge eine Warnung auszusprechen mag manchen Anleger überraschen. Schließlich läuft die Quartalssaison in Europa und speziell in Deutschland mehr als ordentlich. Die Gewinne der Unternehmen sprudeln, zyklische Aktien feiern ein kaum für möglich gehaltenes Comeback, und auch die zweite Aktienreihe boomt. Doch das Bild trügt, weshalb Anleger über einen Tempowechsel nachdenken sollten. Raus aus offensiven, rein in defensive Titel, könnte die Maßgabe für den Rest des Jahr lauten. Hierfür bieten sich einige aussichtsreiche Aktien und entsprechende Derivate darauf an.
Auf den ersten Blick scheint ein Schwenk in Richtung Sicherheit angesichts der aktuellen Datenlage nicht unbedingt auf der Hand zu liegen. Der Sentix-Index, der die Stimmungslage in Europa misst, präsentiert sich in blendender Verfassung. Der Gesamtindex für die Konjunkturstimmung kletterte von minus 1,3 auf plus 8,5 Punkte und toppte damit das Niveau von Januar 2008. Bei null Punkten bewerten die Investoren die Lage neutral. Vor allem der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage stieg um 14,5 Punkte, nur zweimal in der Historie war die Euphorie so groß.
Gefahr droht aus Amerika
Der vergleichbare Gesamtindex verlor hier noch einmal 1,7 Punkte und verzeichnet jetzt ein Minus von 6,6 Punkten, wobei die Lage in den USA selbst noch deutlich schlechter eingestuft wird. So hat in dieser Woche die Investmentbank Goldman Sachs ihre Prognosen für den Rest des Jahres 2010 bekannt gegeben und die Einschätzung zu den Märkten für 2011 geändert. Goldman geht davon aus, dass der Aufschwung in den USA an Fahrt verlieren und den Arbeitsmarkt nicht erreichen wird.
Im Gegenteil. Die Experten befürchten, dass die Zahl der Erwerbslosen sogar wieder steigen wird. Sie begründen dies damit, dass die Unternehmen während der jüngsten Aufschwungphase weniger Mitarbeiter eingestellt haben, als dies während der Erholungsphasen der Nachkriegsära im Durchschnitt der Fall war. Zudem senkte Goldman seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt in den USA für 2011 von 2,4 auf 1,9 Prozent.
Und als wären das nicht schon Hiobsbotschaften genug, haben sich die Analysten der Investmentbank auch noch die zyklischen Sektoren am Aktienmarkt vorgenommen. Speziell für den Bausektor kam dabei es zu einer regelrechten Orgie von Herabstufungen, darunter Titel wie
Hochtief,
Bilfinger Berger,
Holcim oder
Wienerberger. Die Befürchtung ist, dass unter dem schwächer als erhofft ausfallenden Konjunkturaufschwung die Bautätigkeit rund um den Globus, insbesondere in den USA, nachlässt.
Statt zyklischer Sektoren wie Stahl, Automobile oder Grundstoffe könnten somit im zweiten Halbjahr weniger anfällige Branchen wie Telekommunikation, Nahrungsmittel oder ausgesuchte Versorger in den Fokus der Anleger rücken. Unter Letzteren konnten im ersten Halbjahr Schwergewichte wie Eon,
Gaz de France, Enel oder
RWE kaum überzeugen. In den vergangenen Wochen ist hier jedoch eine Belebung zu verspüren.
Zum Beispiel bei
Eon: Der Düsseldorfer Konzern hofft, von dem sich anbahnenden Kompromiss in dem monatelangen Streit über die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu profitieren, und glänzt zudem mit einer Dividendenrendite von knapp sechs Prozent. Über Capped-Bonuspapiere mit Laufzeiten bis März und Juni 2011 können Anleger bei Eon und
Enel einsteigen. Die Zertifikate von
Société Générale und
BNP Paribas weisen kein Aufgeld auf und ermöglichen jährliche Renditen bis zu zehn Prozent. Im Hinterkopf sollten Anleger dabei jedoch immer den Dividendenabschlag haben.






























