Für Bertrand Piccard war es ein historischer Tag: Im Juli gelang es dem Schweizer Luftfahrtpionier zum ersten Mal, ein solarbetriebenes Flugzeug in den Himmel zu schicken, das nonstop 24 Stunden kreist. Noch vor der Dämmerung luden sich die 12.000 Solarzellen auf - genügend Power, um die Nacht durchzufliegen. Schon bald will er die Welt mit seinem Solarflugzeug umrunden.
Es sind diese Augenblicke, die für Tüftler wie Piccard die Welt bedeuten. Häufig sind solche Erfindungen aber auch die Trends von morgen. Bis sie Marktreife erlangen, dauert es allerdings oft länger. So soll der frühere IBM-Chef Thomas Watson 1943 gesagt haben: "Es gibt weltweit vielleicht einen Markt für fünf Computer." Im Jahr 1981 brachte IBM dann den ersten PC auf den Markt.
Dafür, dass er massentauglich wurde, sorgte unter anderem Bill Gates, dem mit Microsoft schnell der Sprung an die Spitze gelang. Noch schneller nach ganz vorn schafften es die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin mit dem Trend zur Suchmaschine. In zehn Jahren erschufen die beiden aus einer No-Name-Firma einen der mächtigsten Konzerne der Welt. Doch was sind die Themen von morgen, und welche Titel könnten die künftigen Stars sein? Wir haben die großen Trends identifiziert und stellen die besten Aktien (siehe unten) vor.
Die Welt verändert sich, so viel ist sicher. Die Ölpest im Golf von Mexiko hat selbst den größten Skeptikern wieder vor Augen geführt, dass fossile Brennstoffe nicht für die Zukunft stehen. Klar ist aber auch: Es wird die unterschiedlichsten Ausprägungen alternativer Energieformen geben, und Kohle und Öl können sie nicht vollständig ersetzen. Doch dass sich das Verhältnis zugunsten regenerativer Energien ändert, bestreiten die wenigsten. "Mittlerweile ist das Thema in der Politik und in der Industrie angekommen. Denn mit regenerativen Energieformen lässt sich gutes Geld verdienen", sagt Fondsmanager Peter Dreide von TBF, der mit seinem Fonds 4Q-Smart Power auf künftige Trends setzt.
Selbst wenn sie es nicht wollen, um auch künftig weiterhin mit Atom- und Kohlestrom Milliarden zu verdienen, Energieriesen wie RWE und Eon müssen umdenken. Mittlerweile bauen sie den Anteil der sogenannten Renewables enorm aus. Auch der Münchner Elektronikkonzern Siemens erkennt die Zeichen der Zeit: Er bereinigte sein Portfolio und setzt mittlerweile jeden dritten Euro mit sogenannten Greentech-Produkten um. Im zweiten Quartal verzeichnete das Segment erneuerbare Energien die größten Zuwächse im Orderbuch. So ist Siemens mittlerweile der wichtigste Produzent für Windkraftanlagen auf dem Wasser.
Auf die veränderten Werte und Klimabedingungen haben auch die Autobauer reagiert. Ihnen ist klar, dass Metropolen wie Schanghai, Bangkok oder Mexiko-Stadt, wo Abgasschwaden durch die Stadt wabern, vor dem Kollaps stehen. "Kleintransporter und Autos, die von Elektromotoren angetrieben werden, prägen künftig die Stadtbilder", sagt Fondsmanager Dreide. Sämtliche Autobauer arbeiten intensiv an der Entwicklung. Porsche will den ersten Elektro-Boxster 2013 zum Test auf die Straße schicken. Das Projekt i hat beim Münchner Autobauer BMW höchste Priorität: Es handelt sich dabei um das Konzept für ein ultraleichtes Elektroauto, das 2013 auf den Markt kommen soll.
Millionenschwere Hilfen seitens der Politik sorgen dafür, dass die Entwicklung nach vorn getrieben wird. 2,4 Mrd. Dollar stellte etwa die US-Regierung den Firmen dort für die Entwicklung von Elektroautos zur Verfügung. Steuervergünstigungen sollen einen Anreiz bieten, emissionsarme Vehikel zu kaufen. "So wie einst der Pferdekarren mit der Erfindung des Automobils ausgedient hatte, könnte auch der mit fossilen Treibstoffen betriebene Verbrennungsmotor schon bald Vergangenheit sein", sagt der indische Präsident des Uno-Klimarats und Nobelpreisträger Rajendra Pachauri. Mitentscheidend für die erfolgreiche Einführung des E-Autos ist der Akku, der die Motoren antreibt. Autokonzerne ringen nach Partnern, denn viele von ihnen haben selbst den Trend verpasst. Doch schnell können sich die Akkuunternehmen auch erhitzen. Seit dem Börsengang hat etwa der kleine amerikanische Produzent A123 Systems mehr als die Hälfte an Wert verloren. Der Hype, der sich vor Monaten um den Akkuhersteller aufgebaut hatte, hat sich wieder etwas gelegt. Mittlerweile ist er auf ein angemessenes Niveau zurückgekehrt.
Zunehmend Bedeutung gewinnt auch das Thema Energieeffizienz. Immer mehr Haushalte nutzen Biomasse, Solarenergie oder Erdwärme, um sich selbst zu versorgen. Das hat Auswirkungen auf die Stromnetze. Der Umbau zu intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) ist eingeleitet und wird die Versorgung verändern. Künftig bestimmen die Haushalte selbst, wann sie wie viel und welchen Strom nutzen oder welchen sie ins Netz einspeisen. Es entsteht ein Megamarkt, auf dem Platz für viele junge Unternehmen ist - und auf dem sich die Alteingesessenen wieder einmal bewähren müssen.
Ein Zauberwort fürs Energiesparen ist derzeit auch die Light-Emitting Diode (LED). Maschinenbauer wie Aixtron oder Veeco profitieren vom Boom der kleinen Lichtbringer, die Straßenlaternen, Computer, Start- und Landebahnen beleuchten. Für Handy-Displays sind die LEDs schon fast wieder Schnee von gestern:
Der südkoreanische Elektroriese Samsung setzt auf sogenannte Super-Amoled-Displays - organische Leuchtdioden mit einer Aktivmatrix. Sie versprechen ein helleres Bild, schönere Farben und einen geringeren Stromverbrauch. Bereits in zwei Jahren sollen die Displays dann auch bieg- und unkaputtbar sein. Auch die Spielebranche erwacht und zieht sich mit neuen Trends ihre Klientel heran: Gestenspiele sollen den Durchbruch bringen. Ohne ein Gerät in der Hand schiebt, stößt und schlägt der Spieler nur durch Bewegungen, die von einem elektronischen Auge wahrgenommen werden.
Längst sind auch Menschen reiferen Semesters Ziel der Industrie. Denn die Gesellschaft wird zunehmend älter. Vor allem in den Emerging Markets nimmt die Bevölkerung rasend schnell zu. Aufgrund der besseren medizinischen Versorgung steigt die Lebenserwartung in den einzelnen Ländern. "Für die Medizintechnikbranche ist diese Entwicklung eine Jahrhundertchance", sagt BB-Medtech-Fondsmanager Marcel Fritsch. Die Zahl der über 60-Jährigen soll sich vom Jahr 2000 bis 2050 von 600 Millionen auf mehr als zwei Milliarden vergrößern. Auf die Biotech-, Pharma- und die Medizintechnikbranche kommen riesige Veränderungen zu. Denn niemand kann es sich leisten, diese Menschen auf der Reise in die Zukunft zu vergessen. Schon gar nicht profitorientierte Konzerne.


































