Wer in Aktien investiert, will auf zwei Wegen Geld verdienen. Erstens durch steigende Kurse und zweitens durch Dividendenzahlungen der Unternehmens an die Aktionäre. Wenn - wie im Moment - kaum mit stark steigenden Kursen zu rechnen ist, spielen Dividendenzahlungen eine besonders große Rolle. In welchen Ländern sie im Schnitt besonders hoch ausfallen, hat die Fondsratingagentur Morningstar untersucht. Ergebnis: Weltweiter Spitzenreiter waren in den vergangenen zwölf Monaten Aktien aus Spanien. Dort betrug die Dividendenrendite im Schnitt 5,4 Prozent. Überdurchschnittlich waren die Ausschüttungen der Gesellschaften auch in Australien, Norwegen, Taiwan und Finnland. Papiere aus Deutschland lagen mit 2,9 Prozent im Mittelfeld von 35 Ländern. Der weltweite Durchschnitt betrug 2,7 Prozent.
Ein regionales Muster lässt sich aus den Zahlen allerdings nicht ablesen. "Emerging Markets haben nicht generell eine höhere Dividendenrendite als die entwickelten Länder", schreiben die Studienautoren. Unter den im Ranking führenden Ländern finden sich sowohl Industrie- und Schwellenländer. Das gilt genauso für die Länder mit einer besonders niedrigen Dividendenrendite.
Für Anleger ist die Ausschüttungskennzahl allerdings nicht der Faktor, der am Ende über den Erfolg eines Investments entscheidet. Sie schauen auf das gesamte Plus aus Dividendenrendite und Kursentwicklung. Deshalb haben die Analysten im zweiten Schritt versucht herauszufinden, ob ein direkter Zusammenhang zwischen der Dividendenrendite und der Gesamtrendite besteht. Dazu haben sie die durchschnittliche Dividendenrendite einzelner Aktienmärkte mit deren Gesamtrendite verglichen - und zwar für die beiden Zeiträume von 1990 bis 2000 und von 2000 bis 2010. Ergebnis: Es gab in beiden Perioden einen deutlichen Zusammenhang zwischen den beiden Kennzahlen. In Ländern mit einer hohen durchschnittlichen Dividendenrendite kamen Aktionäre in der Regel auch in den Genuss einer besonders hohen Gesamtrendite.
Das bedeutet, dass Anleger nicht nur von einzelnen Aktien mit einer hohen Dividendenzahlung eine hohe Gesamtrendite erwarten können. Sondern sie können auch bei einem Fonds oder Zertifikat mit einem größeren Plus rechnen, wenn das Produkt den Aktienmarkt eines dividendenstarken Landes abbildet. Nach den Morningstar-Daten, erscheinen also Indexprodukte auf spanische und australische Aktien interessant. Auf die große Bedeutung von Dividenden haben sich viele Vermögensverwalter eingestellt.
So rühren Fondsgesellschaften bereits seit Monaten die Werbetrommel für Dividendenfonds. "Aktien sind - bei erfreulichen Dividendenrenditen - günstig bewertet, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Auszahlungen auf dem Spiel stehen", sagt Michael Clark, Portfoliomanager des Fidelity European Dividend Fund. Das sieht man bei ING Investment Management ähnlich. Stratege Ad van Tiggelen glaubt allerdings bei Aktien nur an ein begrenztes Aufwärtspotenzial. "Deshalb steigt die Bedeutung von Dividenden als Ertragsfaktor."
In den kommenden Jahren werden Dividendenstrategien bei Anlegern insgesamt wichtiger werden, hat der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock jüngst in einer Umfrage herausgefunden. Danach rechnen 53 Prozent der befragten deutschen Anlageberater damit, dass sich der Markt zugunsten von Dividendenfonds verschieben wird. Dafür seien vor allem Investoren verantwortlich, die mit den Produkten für ihr Alter vorsorgen wollen.
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