Es würde alles so gut laufen, wenn nur die störenden Kunden nicht wären. Was sich so manch genervter Angestellter dann und wann denkt, setzt eine Aktiengesellschaft aus Mannheim in die Wirklichkeit um. Das Gold Projekt "sucht keine Kunden" und "bietet keine Dienstleistungen und kein Produkt an", erklärt die Firma gleich auf ihrer Startseite im Internet. Das Unternehmen habe nur ein Ziel: "Das Vermögen seiner Aktionäre zu schützen und zu vermehren!" Wer will, kann Aktionär werden und "in den Genuss einer exklusiven Vermögensverwaltung" kommen, wie sie "sonst nur privilegierte Menschen erhalten".
Selbst die erfolgreichsten Konzerne der Welt kommen nicht ohne Kunden, Produkte oder Dienstleistungen aus. Wie das Gold Projekt das Wunder schafft, wird aus dem Webauftritt nicht so ganz klar, zumal das Unternehmen ebenfalls auf der Startseite "für 2010 noch engagierte Mitarbeiter" sucht, unter anderem als Vertriebspartner und Produktmanager. Vertriebspartner ohne Kundensuche? Produktmanager ohne Produkt?
Jenseits üblicher Konventionen ist wohl auch die Vermögensverwaltung angelegt. Bei der Finanzaufsicht BaFin ist das Unternehmen nicht in den Datenbanken zu finden. Eine Erlaubnis für die Finanzportfolioverwaltung mit Wertpapieren haben die Mannheimer demnach nicht. Übrig bleiben Anlagen ohne solche Einschränkungen. "Neben Gold und anderen Edelmetallen wird künftig auch in Fotovoltaikprojekte, Rohstoffe wie zum Beispiel strategische Metalle, Immobilien und Firmenbeteiligungen investiert", wird verkündet. Kein Wunder, dass die Betreiber das Motto "Sachwert schlägt Geldwert" gewählt haben. Mit dem, was der gemeine Bürger sich unter Vermögensverwaltung vorstellt, hat dies freilich wenig zu tun.
Exklusiv ist offenbar auch das Aktienangebot. Bei der BaFin jedenfalls ist nichts über einen Verkaufsprospekt zu finden. Dabei wäre der Inhalt interessant, verlief die noch junge Unternehmensgeschichte doch eher turbulent. Im Mai 2009 wurde die Aktiengesellschaft ins Handelsregister eingetragen. Die Pläne waren ambitioniert. Betreiber von Onlinegoldshops suchte sie, die jeweils knapp 1000 Euro Startgebühr zahlen sollten. 500.000 Shops wollten die Initiatoren in fünf Jahren eröffnen. Allein damit wären 500 Mio. Euro zu erzielen gewesen. Doch die Sache lief nicht so recht an. Auf der jüngsten Hauptversammlung Ende Juni ging es um den Verlust der Hälfte des Grundkapitals. Der neue Vorstand Hans-Jürgen Oswald verkündete, es liefen "Übernahmeverhandlungen für Das Gold Projekt".
Den Zuschlag bekam die Multiways AG. Vorstand: Hans-Jürgen Oswald. Zu ihr gehören weitere Unternehmen unter der gleichen Adresse in Mannheim, etwa die Goldkammer GmbH oder die Naturstrom Projekt GmbH. Sogar Lebensversicherungen werden aufgekauft und in Gold ausgezahlt. Auf die Frage nach der Verflechtung der Firmen will Oswald erst nach seinem Urlaub Stellung nehmen. Vorab verrät er nur, dass "alle irgendwie zusammen" gehören.
Quelle: ftd
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