Spannend sind die Produkte von
Mayr-Melnhof nicht gerade: Seit mehr als 100 Jahren beschäftigen sich die Österreicher mit Pappe. Genauer gesagt stellen die Wiener gestrichenen Recyclingkarton und Faltschachteln für die Verpackung von Konsumgütern her. Doch die langjährige Erfahrung und die herausragende Marktstellung machen die Gesellschaft interessant: "Mayr-Melnhof ist gerade für risikobewusste, langfristig orientierte Investoren ein sehr attraktives Unternehmen", bringt es Franz Hörl, Aktienexperte bei der Erste Group Bank, auf den Punkt.
In der Sparte MM Karton, die für gut 40 Prozent der Gesamterlöse steht, verfügt die Gesellschaft an acht Produktionsstandorten über eine Jahreskapazität von rund 1,7 Millionen Tonnen Karton. Damit ist Mayr-Melnhof der weltweit größte Produzent von gestrichenem Recyclingkarton mit einer wachsenden Position in Frischfaserkarton, dem wichtigsten Rohstoff zur Herstellung von Faltschachteln. Zu den Hauptwettbewerbern in Europa zählen Stora Enso aus Finnland und Reno De Medici aus Italien.
Im Bereich MM Packaging tritt Mayr-Melnhof selbst als Produzent von Faltschachteln auf. Zu den Abnehmern zählen zahlreiche namhafte Konsumgüterhersteller wie etwa Danone, McDonald's und Unilever. Mayr-Melnhof produziert europaweit an insgesamt 29 Standorten, die jährlich rund 50 Milliarden Faltschachteln ausspucken. Damit ist das Unternehmen mit Abstand der größte Produzent von Verpackungslösungen aus Karton in Europa und einer der großen Faltschachtelhersteller weltweit. Die nächstgrößeren europäischen Wettbewerber A&R Carton aus Schweden und Van Genechten aus Belgien kommen nicht einmal auf die Hälfte der Produktionskapazität.
Mayr-Melnhof beansprucht nicht nur die Markt-, sondern auch die Kostenführerschaft für sich, was sich eindrucksvoll im 2009er-Zahlenwerk zeigt: Bei einem Umsatzrückgang von 7,5 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, der sich vor allem durch den rezessionsbedingten Nachfragerückgang aus der Konsumgüterbranche erklärt, kletterte das Betriebsergebnis um 9,5 Prozent auf 149,9 Millionen Euro. Der Zuwachs ist gleichbedeutend mit einem Anstieg der operativen Marge von 7,9 auf 9,4 Prozent. Neben dem strikten Kostenmanagement haben Mayr-Melnhof auch die stark gesunkenen Altpapierpreise geholfen.
Gegen Ende 2009 haben die Rohstoffpreise jedoch gedreht. Deshalb lässt sich der Trend zu höherer Profitabilität nicht für das Gesamtjahr 2010 fortschreiben. Schon im ersten Quartal legte das Betriebsergebnis mit plus 12,6 Prozent unterproportional zu den Erlösen zu. Das Umsatzwachstum von 14,4 Prozent übertraf jedoch die Erwartungen. Für das Gesamtjahr rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Erlösplus von acht Prozent. "Mayr-Melnhof konnte zuletzt erfolgreich Preiserhöhungen durchsetzen. Zudem sind die Kosten für Altpapier weitgehend stabil. Daher gehe ich davon aus, dass der Konzern über ein sehr starkes zweites Quartal und ebenso über ein sehr gutes drittes Quartal berichten wird", meint Analyst Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank (RCB) und rät zum Kauf der Aktie. Maurers Kursziel von 83 Euro liegt ungefähr 14 Prozent über der aktuellen Notiz.
Auch Erste-Analyst Hörl hat sich vor wenigen Tagen dazu durchgerungen, sein Kursziel auf 81 Euro und die Einstufung für die ATX-Aktie von "Halten" auf "Akkumulieren" zu erhöhen: "Aufgrund des defensiven Geschäftsmodells und der hohen Nettocashposition dürfte sich die Aktie von Mayr-Melnhof in einem negativen Marktumfeld besser schlagen als der Gesamtmarkt", so der Analyst. Laut dem Finanzdienst Bloomberg raten insgesamt acht von zehn Analysten zum Kauf der Aktie. Das Kursziel reicht dabei über die Marke von 90 Euro hinaus.
Aus Bewertungsgesichtspunkten wäre ein solcher Anstieg durchaus drin: Auf Basis der Konsensschätzungen soll das Ergebnis je Aktie von 4,44 Euro im vergangenen Jahr über 5,51 Euro 2010 auf 5,97 Euro in der kommenden Geschäftsperiode klettern. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr von etwa 13,3, für 2011 reduziert es sich auf 12,2. Damit ist die Aktie zwar kein Schnäppchen. Doch die ausgezeichnete Marktstellung und die hohe Profitabilität sprechen für den Titel. Hinzu kommt: "Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Stora Enso und M-real wird die Aktie von Mayr-Melnhof mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt", sagt Katharina Kastenberger von Unicredit.
Aufbauend auf seiner führenden Marktposition in Europa ist es das Ziel von Mayr-Melnhof, weltweit in attraktiven Wachstumsregionen zu expandieren und in allen Regionen, in denen der Konzern tätig ist, die Rolle des Markt- und Kostenführers zu übernehmen. Dabei spielen Akquisitionen eine große Rolle. Die im Juni gemeldete Übernahme des chilenischen Faltschachtelspezialisten Marinetti dürfte sicherlich nicht die letzte gewesen sein.
Quelle: ftd
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